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Bringt den Anzug zurück!

„Manners Maketh Man.“ Ein schicker Anzug gehört aber auch dazu. 

Loftikant Sam sitzt im Anzug auf einem Sofa.
Der Werdegang des Manns: Sieht man sich andere Fotografien von mir an, wird ein dezenter Unterschied deutlich ... Im Sitzen den Knopf öffnen, immer. Die Krawatte lenkt vom Bauch ab, das absichtlich auffällige Einstecktuch noch mehr..

Der Mann und sein Anzug – ein Thema, so alt wie Kleidung selbst und doch stets im Wandel: Hatten Männer vor weniger als 40 Jahren noch ausschließlich Anzüge und Pyjamas im Kleiderschrank, geht der Trend heute in entgegengesetzte Richtung. Die Freizeitkleidung gewinnt die Überhand, selbst in so manchem Büro kehrt Anarchie in Sachen Dresscode ein – Schawatten und Flipflops nebst Badeshorts wohin das Auge blickt. Anzüge, Sakko, Krawatte und schicke Schuhe dagegen werden vom Normalbürger kaum im Alltag getragen.

Sam mit Fliege.
Die Fliege: Wem die phallische Krawatte nicht passt, kann immer auf die Fliege zurückgreifen. Hier mit rundem Revers, passend auf Abendveranstaltungen und Hochzeiten.

Sich der aktuellen Mode mit einem passenden Outfit zu widersetzen und dem alten Leitbild zu folgen wäre ein Leichtes für den Mann des aufgeklärten Zeitalters. Doch was, wenn man gerade erst dabei ist, Mann zu werden? Wie wirkt der Kerl in seinen frühen Zwanzigern, wenn er an Orten im Anzug aufschlägt, an denen man ihn nicht im Anzug erwartet. Auf Geburtstagen von Freunden, beim Einkaufen gehen oder vielleicht in Jobs, die keinen Anzug voraussetzen, wie bspw. beim BKA, oder auch an der Uni.

Und was würde man wohl von jungen Männern denken, die aus Überzeugung Anzüge mit Krawatte und Sakko im Alltag tragen? Dass sie, „Try-hards“ seien, Möchtegerns, Papasöhnchen, Arbeitstiere – oder einfach stilbewusst?

Anzüge bei Hippies kein Thema mehr

Jeder hat mal davon gehört, dass in den 30ern und 40ern schon jüngste Burschen im Anzug unterwegs waren, bevor sie zur Uniform übergingen und andere Sorgen hatten, als ein stilbewusstes Auftreten. Nach dem Krieg aber kehrte der Anzug als  Standardkleidungsstück der zeitgenössischen Mode zurück.

Sam mit einem weißen Hemd in der Hand.
Das Hemd: Ein Anzug ohne passendes Hemd sieht nur halb so gut aus. Weiß geht immer, Farben je nach dem.

Doch der Anzug musste nach und nach einem legeren Lebensstil Platz einräumen und der Bluejeans ihren Auftritt ermöglichen. Vielleicht lag es an dem verständlich großen Verlangen nach Frieden und Freiheit, das zur Hippiewelle führte und mit konservativen Verhältnissen brach, wo es nur ging.

Anzüge als Zeichen der Konformität?

Weitgehend aus dem Alltag verbannt, erst recht von der Jugend – würde sich sicher so mancher freuen, feiere der Anzug sein Comeback. Doch erst zu Anlässen wie Geburtstagen, Arbeit oder Abendveranstaltungen abgestaubt, steht der Anzug für ein gepflegtes, stilvolles Outfit. Dabei wird er gerade in jüngeren Generationen nicht nur mit Stilbewusstsein und Erfolg verbunden, sondern auch als Wahrzeichen der Konformität und des Untertauchens in der Einheitlichkeit – als Zeichen für ein Dasein als braves Schaf.

Sam mit weißem Hemd, Weste und roter Fliege.
Der Barkeeper: Mit Stil einen Drink servieren, ob beim Date oder dem Whisky mit dem Chef.

Da fragt man sich doch, ob es nicht das Verlangen nach Sicherheit ist, die den Anzug dann doch begehrenswert macht. Denn: Wer Anzug trägt, hat was geschafft, meist etwas in Richtung finanzieller Absicherung. Da fällt mir doch der Rat ein: “Dress for the job you want, not the job you have”.

Doch Philosophie beiseite: Jeder, der mal in einem perfekten Anzug gesteckt und sich so richtig wohl fühlte mit schicker Hose, elegantem Jacket, modischem Sacko und perfekt gebundener Krawatte, jeder weiß, dass Wohlbefinden schnell Statussymbol und das Dasein als Schaf in den Schatten stellt.

Also Männer: Die Zeit vergeht, das Thema bleibt – Suit up!