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Boreout: Wer Langeweile hat, ist selber schuld?!

Katja Mayer 25.03.2013
Die Zahlen sind auf den ersten Blick alarmierend: Immer mehr Menschen fühlen sich am Arbeitsplatz unterfordert. Mehr noch: Einer Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) zufolge sind vor allem junge Menschen gefährdet, vor lauter Langeweile im Job krank zu werden. Boreout heißt das dann im Fachjargon.

Langeweile und Unterforderung im Job sind nicht gesund. Das wissen wir schon seit der Flow-Theorie. Erfunden hat die der renommierte US-Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi, der damit jenen optimalen Zustand beschrieb in dem wir maximal für eine Aufgabe motiviert sind, besonders kreativ und produktiv. „Flow” entsteht demnach an der Grenze zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile).

Boreout durch Langweile im Job
Boreout: Langeweile und Unterforderung im Job können krank machen.

Ein Beispiel: Stell dir vor, du übernimmst ein völlig neues Projekt. Leider hast du von der Sache überhaupt keine Ahnung. Deine Fähigkeiten liegen deutlich unter den Anforderungen, kurz: Du bist hoffnungslos überfordert. Die Folge werden Frust und Versagensängste sein. Etwas Ähnliches passiert, wenn du eine neue Aufgabe übernimmst, die du in- und auswendig kennst. Diesmal liegen deine Fähigkeiten weit über den Ansprüchen: Du bist unterfordert – und deshalb bald gelangweilt und genauso frustriert.

Flow entsteht allerdings nicht exakt auf der Grenze zwischen Unter- und Überforderung, sondern leicht darüber. Oder anders formuliert: Wir sind genau dann optimal motiviert, kreativ, produktiv, wenn uns eine Aufgabe (ein Projekt, ein Artikel, der Job, …) nicht langweilt, aber immer noch herausfordert. Nur so lernen wir hinzu und behalten den Spaß am Job, weil wir anschließend ein Erfolgserlebnis registrieren: Wir sind ein Stück über uns hinausgewachsen.

Was heißt das nun für den Job? 

Dass sich gerade die Millennials langweilen, hängt zunächst einmal gar nicht so sehr mit dem Job, sondern vielmehr mit ihrer Erlebnisorientierung zusammen, wie Christoph Fellinger in seinem Blog „Recruiting Generation Y“ feststellt: Wer per Smartphone stets auf dem Laufenden bleibt, neigt zum Wegzappen, sobald ein Thema nach drei Sekunden nicht mehr fesselt. Doch das kommt im Arbeitsleben eben häufiger vor. Schließlich ist so ein Arbeitsplatz kein Abenteuerspielplatz.

Auch der Übergang von der Uni ins Berufsleben ist für viele Absolventen anfangs ein kleiner Schock: Statt vieler spannender Aufgaben, erwarten sie beim neuen Arbeitgeber zunächst oftmals wiederkehrende Tätigkeit, um die nötige Routine aufzubauen. Denn im Beruf geht es darum, Kenntnisse zu aggregieren und Fähigkeiten zu entwickeln, bis man seine Tätigkeit sicher beherrscht. Und dann setzen viele Unternehmen Arbeit auch noch mit Präsenz am Schreibtisch gleich.

Da kann dann tatsächlich so etwas wie Langeweile aufkommen – inklusive Boreout-Effekt. Das muss man aber nicht als gegeben hinnehmen! Im Gegensatz zu echter Überforderung  können Unterforderte etwas an ihrer Misere ändern. Dazu müssen sie nur aktiv werden – sei es, indem sie sich neue Gestaltungsspielräume in ihrem Job erkämpfen oder - im worst case - indem sie den Job wechseln. Wer sich langweilt, sollte versuchen neue Projekte anzuschieben, die seinem Unternehmen (und ihm selbst) Vorteile bringen. Obendrein hat so jemand qua definitionem genug Zeit, um eine überzeugende Argumentation gegenüber seinem Vorgesetzten zu entwickeln.

Wege aus dem Boreout

Falls du dich also gerade langweilst, solltest du deine Erwartungen einen Gang runter schalten – und deine erste Stelle nutzen, um dich gründlich einzuarbeiten. Wer sich aktiv einbringt und jede Gelegenheit nutzt, seine Kenntnisse auszubauen, langweilt sich nicht, qualifiziert sich aber für höhere Aufgaben.

Oft genug sind Veränderungen im Job möglich und auch gewollt, sobald du deine Befähigung unter Beweis stellen konntest. Das dauert etwa ein halbes Jahr.
Wenn dann gegen Ende der Probezeit ein Gespräch über deine Perspektiven ansteht, solltest du abklären, ob deine Leistung anerkannt und geschätzt wird. Die positive Rückmeldung deines Vorgesetzten ist die beste Basis, um Vorschläge für weitere Aufgaben unterbreiten zu können.

Als Fortsetzung deiner Karriere kommt jetzt in erster Linie eine Ausweitung deines Aufgabenbereichs in Frage – insbesondere, wenn du mit deinen bisherigen Arbeiten nicht ausgelastet warst. Bei dieser Expansion gibt es vor allem zwei Möglichkeiten:

  1. Job Enlargement: Bei einer Ausweitung der Tätigkeit werden dir zusätzliche Aufgaben übertragen, die etwa das gleiche Anforderungsniveau haben wie die bisherigen. Wenn du bisher in der Marketing-Abteilung fürs Monitoring der Bestandskundenbetreuung zuständig warst, könntest du künftig zusätzlich die Neukundengewinnung beobachten.
  1. Job Enrichment: Im Laufe des Jobs werden dir immer anspruchsvollere Aufgaben übertragen, um deine Potenziale besser zu nutzen. In der gerade genannten Position würdest du also planerische Aufgaben bei der Kampagnenplanung dazu gewinnen.

Zwar gibt es keine Garantie für die Erweiterung dDeines Portfolios oder eine Beförderung, trotzdem musst du dich nie in dein Schicksal fügen, sondern kannst deinen aktuellen Job jederzeit zum Sprungbrett für die nächste Karrierestufe ausbauen.

Am Besten überlegst du dir vor dem Mitarbeitergespräch, welche Aufgaben du übernehmen würdest, was dich dafür qualifiziert und welchen Nutzen das Unternehmen davon hat. Nur so kannst du deinen Vorgesetzten davon überzeugen, dir die Tätigkeiten tatsächlich zu übertragen.

Ansonsten bleiben dir immer noch zwei Wege

Du suchst dir ein eigenes neues Projekt - oder du nennst das Projekt schlicht „Jobwechsel“ - und nutzt die verbleibende Zeit im langweiligen Job zum Kurswechsel.

Laut statista.com  klagen rund 13 % der Männer über langweile im Job. Bei den Frauen sind es sogar 17 %. 

Falls es dich interessiert: Hier noch ein interessanter Artikel zum Thema.

Katja Mayer mit Karrierebibel.