DE EN

Beziehungsstatus: Single?

Was Studierende bei der Partnersuche umtreibt – und was die Uni damit zu tun hat

Liebe auf dem Campus? Die muss nicht mit riesigem Tamtam daherkommen. „Ich fand Sanne sympathisch, aber mehr nicht“, erzählt Max, 24, Sportstudent. „Sie ist in meinem Studiengang. Außerdem lebte sie in derselben WG wie ein Freund von mir. Dort war ich sogar öfter zu Besuch. Irgendwann ging sie erst mal ins Ausland.“ Max war gelassen. Hin und wieder dachte er an sie. Sie schrieben sich. Ansonsten war sein Leben gut gefüllt: Lernen, Hobbys, Reisen, Konzerte, Freunde. Eine Beziehung vermisste er nicht. „Als sie zurück war, trafen wir uns auf einer Party. Und es funkte.“
Studentenpärchen auf dem Campus

Auf dem Campus kreuzen sich die Wege. Aber auch jenseits von Mensa und Vorlesungen: im Waschsalon oder in der Bahn auf dem Weg zum Seminar. Oft ist da jemand, den man immer schon kennenlernen wollte. Die Hochschule, das ideale Feld zur Partnersuche? Soziologen wie Hans-Peter Blossfeld von der Universität Bamberg vermaßen in Studien schon vor einigen Jahren die Lebensverläufe von Männern und Frauen und stellten fest: Immer mehr Junge lernen ihren Partner an der Hochschule kennen. Mittlerweile sind die Studierendenzahlen stark gestiegen. Studenten-Speed-Datings und Apps wie Tinder sind normal. Wer sucht, checkt den Markt doppelt aus – im wirklichen Leben und in sozialen Netzwerken. Die Ansprüche an einen Partner werden so vielleicht nicht kleiner. Aber der Spaß geht zumindest auch nicht verloren.

Generation beziehungsunfähig?

Kann man da nicht gerade an der Uni auch viel falsch machen? Hier, wo die Chance groß ist, jemanden zu treffen, dessen Interessen gut zu meinen passen könnten? „Klar, es gibt jede Menge gemeinsame Themen bei uns“, sagt Max, „aber es war doch die Chemie zwischen uns.“ Wer sich nicht verliebt, lässt es eben. Oder wartet auf die nächste Gelegenheit? Ein paar Dinge zumindest liegen heute anders als früher. Erstens: Die Geschlechterverhältnisse wandeln sich. Frauen sind an vielen Hochschulen in der Überzahl – oder, je nach Fächerschwerpunkten, in zu geringer Zahl vorhanden. Zweitens: die Ansprüche, etwa an den Job. Winkt der Studienabschluss, wird die Zeit oft anders dosiert. Die Anforderungen an ein Leben, das die Arbeit möglich macht, sind hoch. Flexibel und mobil sein ist das Ziel.

Wie lassen sich hohe Ansprüche mit einem Partner vereinbaren? „Akademiker heiraten heute fast ausschließlich Akademiker – eine Partnerwahl nach dem Gleichheitsprinzip“, sagt Paarberater und Coach Jan Hegmann aus Hamburg (siehe Interview). Das erleichtere vieles. Die Sache hat nur einen Haken: Sie bootet viele aus. Denn während Männer auch eine weniger gebildete Person als Partner okay finden, ist das bei Frauen anders. So finden erfolgreiche Frauen schwerer einen Partner – erfolglose Männer ebenso. Rein statistisch.

Raus mit euch!

Experten raten: Locker bleiben! Denn auch außerhalb vom Campus ergeben sich Chancen. Und einen großen Vorteil haben Campusflirts: Die nächste Chance kommt bestimmt. Denn so leicht ist es nie wieder, schnell unter Leute zu kommen.

Interview mit Eric Hegmann

„Generation bindungsunfähig?!“

Eric Hegmann, Paarberater und Coach, hat eine klare Meinung dazu

Herr Hegmann, ist Flirten für Studierende heute schwerer als früher?

Eric Hegmann, Paarberater und Coach
Eric Hegmann, Paarberater und Coach

In Kontakt kommen ist einfacher denn je. Neben Bahn, Mensa, Vorlesung ist da noch das Internet. Menschen können sich jederzeit kennenlernen. Oft sind das genau die, die wir sonst nicht getroffen hätten. Erfolgreich flirten ist also so leicht wie immer. Es gibt aber immer mehr Menschen, die sich das nicht trauen. In Umfragen sagen die meisten Singles, dass sie sich zu schüchtern fühlen, Männer wie Frauen. Studierende checken ihren Schwarm aus der Vorlesung erst im Internet und schreiben ihn dann über soziale Netzwerke an. Aufeinander zugehen und ansprechen ist wohl für viele analoge old school. Ein weiterer Punkt: Der Grad zwischen Flirten und Belästigen kann schmal sein – wenn jemand nicht auf eine Einladung zum Flirt wartet und sein Gegenüber überrumpelt.

Suchen Studierende eher etwas Lockeres oder den Lebenspartner?

Ein Flirt ist ja erst mal spielerisch. Aus dem Smalltalk an der Haltestelle oder dem spontanen Kaffee kann sich eine Affäre ergeben. Oder eine Beziehung. Oft aber auch nur positive Energie, die einen gut über den Tag bringt. Laut Statistik binden sich Deutsche eher mit Mitte 30 als früher. Bis sie Ausbildung und Beruf abschließen, probieren sie sich durch Beziehungen und leben ihre Sexualität aus. Das hat Folgen. Akademikerinnen haben nach dem Studium oft Probleme, einen Partner auf Augenhöhe zu finden. Hier greift immer noch das Klischee: Männer orientieren sich bei der Partnerwahl auf Augenhöhe oder darunter, Frauen aber auf Augenhöhe oder darüber. So gesehen sollten Frauen den Partner fürs Leben während des Studiums kennenlernen.

Was sollte einer tun, der unbedingt fündig werden will?

Das, was ihm oder ihr gut tut. Es gibt nicht den einen Rat für alle. Vielleicht den: Glauben Sie nicht das Märchen von der Generation bindungsunfähig. Nach der Bindungstheorie können Menschen ohne Bindung nicht leben. Haben Sie also Mut, sich auf einen Menschen einzulassen. Und dazu sind Sie am besten selbst die sympathische, offene, neugierige Person, die Sie kennenlernen wollen.

Vielen Dank für das Interview