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Bewerbungsfehler - wie forsch darf ich mich bei der Jobsuche verkaufen?

Natalia Zbiec 21.06.2012
Bewerben ist werben. Und weil nur der Beste gewinnt, darf man dabei ruhig dick auftragen. Schließlich geht es um den begehrten Einstiegsjob, und richtig gute Stellen sind schließlich rar. Oder?

Nein. Wer so denkt beim Schreiben einer Bewerbung, macht die Rechnung ohne den Leser – in diesem Falle sind das Personaler und die haben für Übertreibungen ein feines Gespür. Das ist kein Wunder, denn Phrasen dreschen ist beim Bewerben ebenso gang und gäbe wie Eigenlob und Schleimerei. Allen Ratgebern zum Trotz verfallen Bewerber immer wieder auf dieselben Bewerbungsfehler, weil sie dem Wert ihrer Erfahrungen nicht trauen.

Und leider katapultieren sie sich damit ins Aus. Erfahrungswerte hat auch Michael Yohannes des careerloft-Partners Commerzbank gesammelt: „Eine der Hauptbewerbungssünden ist das unachtsame ‚Copy and Paste‘. Dann wird im Anschreiben das falsche Unternehmen genannt. Bereits in der Adresszeile steht dann z.B. Deutsche Bank statt Commerzbank. Kein guter Start…“

Eine Einstellung ist schließlich Vertrauenssache – und solche handwerklichen Fehler oder eben Aufschneiderei führt zum Gegenteil. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Vermeiden solltest du in deiner Bewerbung daher unbedingt diese drei zentralen Bewerbungsfehler:

Fehler 1: Aufschneiden

„Ich bewahre auch bei größtem Stress stets die Übersicht. Bereits mehrfach konnte ich meine überragende Problemlösungskompetenz beweisen und mein Team zu Höchstleistungen animieren. Selbstverständlich bin ich dynamisch, belastbar und teamfähig. Allerbeste IT-Kenntnisse runden mein Profil ab.“

Statement von Michael Yohannes, Commerzbank
Michael Yohannes, Commerzbank

Klingt imposant. Doch wenn sich der Theaterdonner verzieht, bleibt nichts. Oder glaubst du selbst solchen Sätzen? Eben. Und genau deshalb scheitert auch diese Bewerbung. Hinter den großen Phrasen fehlt jede Substanz. Gerade Menschen, die selbst nicht recht von sich überzeugt sind, den Anforderungen zu entsprechen, neigen zu großen Worten. Wirklich gute Kandidaten benötigen kein Blendwerk. Sie wissen, was sie können – und stellen sich entsprechend dar. Und genau das nehmen auch Personaler – bewusst oder unbewusst – wahr.

Auch „echte“ Talente sprechen so positiv wie möglich von sich. Für eine Bewerbung ist das auch angemessen. Aber sie besitzen auch Substanz, mit der sie sich darstellen können. Statt mit Superlativen um sich zu werfen, zeigen sie, in welchen Situationen sie ihre Kompetenzen einsetzen konnten. Sie lassen Beispiele für sich sprechen – und zeichnen so ein greifbares und realistisches Bild von sich, das jeden Personaler überzeugt. „Statt mit Allgemeinplätzen wie 'Ich bin teamfähig, kommunikativ und ein Organisationstalent' um sich zu werfen, sollten Sie erläutern, welche konkreten Erfahrungen Sie auf diesen Gebieten bereits sammelt konnten", empfiehlt Ulla-Britt Siebrecht, Leiterin Attraction & Bonding beim Chemie- und Pharmaunternehmen Merck. "Belegen Sie anhand von Beispielen, in welchen Teams sie schon gearbeitet haben, welche Veranstaltungen (sei es beruflich oder in der Freizeit) sie bereits organisiert haben und wie dies ihre persönlichen Kompetenzen erweitert hat."

Fehler 2: Vortäuschen

Nur eine Woche, nachdem die Bewerbung verschickt war, flatterte auch schon die Einladung zum Job-Interview ins Haus. Doch darin kam es knüppeldick: „Buon giorno, Signore Schmitz! Com'e andate il suo viaggio? Lei l'ha trovato facile?“

Wer jetzt nicht antworten kann, weil er die geforderten Sprachkenntnisse nur behauptet hat, sieht ganz schön alt aus: Er wurde gerade beim Lügen ertappt. Probleme bekommt aber auch der Bewerber, der im Anschreiben den coolen Hund markiert – und dann im Vorstellungsgespräch nervöser zittert als der Fahrprüfling beim zweiten Anlauf von Wenden-in-drei-Zügen. Beide Male bricht die Fassade zusammen, beide Male sind der erste Eindruck und das erste Vertrauen verspielt.

Ebenso scheitert, wer seine Berufsbiografie aufbläst, aus Praktika berufliche Stationen macht, kleinere Zeitungsbeiträge zu redaktioneller Mitarbeit aufbläst oder gar Stationen erfindet. Und es ist dumm. Nichts ist einfacher zu prüfen als das: ein kurzes Telefonat beim Ex-Arbeitgeber, eine schnelle E-Mail genügen, um Lügner zu entlarven.

Falls du wirklich erfolgreich warst – weil etwa dank deiner Master-Thesis Unternehmensabläufe optimiert werden konnten – darfst du ruhig selbstbewusst dazu stehen. Hier kannst du auch deine Betreuer als Referenzen angeben, sofern die damit einverstanden sind. Indem du Überprüfbarkeit herstellst, schaffst du Vertrauen.

Fehler 3: Anbiedern 

„Schon als Kind war ich ein großer Fan Ihres Unternehmens. Bis heute gibt es für mich nichts Tolleres als in Bettwäsche aus Ihrer Herstellung zu schlafen.“

Autsch! Wer sich derart im Ton vergreift, rutscht garantiert auf der eigenen Schleimspur aus. Anbiederei findet fast jeder Personaler unerträglich – und der, der sie nötig hat, taugt selten als Vorgesetzter. Außerdem ist ein Trugschluss zu glauben, Unternehmen Honig ums Maul schmieren zu müssen.

Argumentiere aus Kundensicht:

  • Wie du deine Projekterfahrung beim Einführen eines neuen Produktionsverfahrens einbringen kannst,
  • welche Erfahrungen aus Redaktions-Praktika dir beim Erstellen der Kundenzeitschrift nutzen werden,
  • wie dir die Erkenntnisse über Personalpsychologie aus deiner Bachelor-Arbeit für die Personalentwicklung nützlich sind.

Das Ergebnis ist eine runde Geschichte, die den Personaler fesselt und ihn zur Erkenntnis bringt, dass du wirklich der Richtige für die Stelle bist.

Positive Darstellungen der eigenen Erfolge sind Pflicht – Erfindungen und Übertreibungen haben darin aber nichts zu suchen.

Redaktion: Katja Mayer mit Karrierebibel

Buchtipp: Den aktuellen Stand bei On- und Offline Bewerbungen beschreiben Christian Püttjer und Uwe Schnierda in ihrem Buch "Perfekte Bewerbungsunterlagen für Hochschulabsolventen: Erfolgreich zum Traumjob"