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Auslandssemester als Jurastudentin? Aber klar doch!

Die Rechtswissenschaften gehören wohl zu den klassischsten Studiengängen und haben häufig wenig Bezug zum Ausland. Ist ein Auslandssemester also reine Zeitverschwendung für angehende Juristen? Ich bin überzeugt, dass es nicht so ist!
Kim beim Tauchen mit einem großen Fisch.
Tauchen am Great Barrier Reef: Definitiv eine der coolsten und aufregendsten Erfahrungen meines Lebens!

Ein fremdes Land, eine andere Kultur – viele neue Menschen!

Viele Leute machen ihr Auslandssemester zur Partyzeit ihres Lebens. Ich möchte nicht abstreiten, dass auch ich in Australien einige gute Partys gefeiert habe – obwohl sich die Partykultur von unserer unterscheidet: Da guckt man komisch, wenn das Vortrinken um 7 p.m. und die Party um 9 p.m. beginnt, aber spätestens um 3 a.m. endet. :D

Kim mit einem Känguru
Selfie ;) Die Kängurus hier waren wirklich sehr zutraulich.

Unabhängig davon haben mich die Gastfreundschaft und das lockere Miteinander in Australien unglaublich begeistert! Außerdem hat man gerade als „International Student“ Kontakt zu Studierenden aus der ganzen Welt in der gleichen Situation – und so erfährt man etwas über das Leben in all diesen Ländern. Jeder hat seine Geschichten zu erzählen. ;)

Und mal ehrlich: Wann hättest du im Arbeitsleben noch mal die Zeit, ein anderes Land und seine Menschen in so entspannter Atmosphäre zu erleben? Und ob es am Ende etwas mit einem LL.M. wird, ist häufig ungewiss …

Sprachkurs ist inklusive

Ich habe mich bewusst für ein englischsprachiges Land entschieden, weil ich wollte, dass mir die Englische Sprache in Fleisch und Blut übergeht. Es ist ein geniales Gefühl, wenn jemand einen nach dem Auslandssemester auf den Akzent anspricht (Nichts gegen den australischen Akzent, bitte!)

In anderen Fällen bietet eine solche Zeit wirklich die Möglichkeit, neue Sprachen zu lernen und grundlegende Sprachkenntnisse zu vertiefen. Selbstverständlich kann man das auch in einem Auslandspraktikum versuchen, aber meist hat man bei einem Auslandssemester doch einfach mehr Zeit dafür.

Nach kurzer Zeit sitzen die juristischen Fachbegriffe. Und Fakt ist, dass Unternehmen und Großkanzleien mittlerweile perfektes Englisch, besser noch eine weitere Fremdsprache, voraussetzen. Ich weiß, dass viele Leute denken, dass ein schnelles Studium, Prädikatsexamen und Titel alles sind. Wenn in einer internationalen Kanzlei aber ein Großteil der Kommunikation mit anderen Standorten auf Englisch läuft, so wird das auch ein Auswahlkriterium sein – und ein Auslandssemester ist da für Personaler ein guter Anhaltspunkt. Gleiches gilt, wenn du noch ein Praktikum oder eine Referendariatsstation im Ausland machen willst.

Andere Länder, andere Uni – andere Rechtssysteme

Dokument Corporations Act 2001
Common Law: In vielen Teilen dieser Welt gibt es ein anderes Rechtssystem. Es schadet nicht, wenn man auch damit umzugehen weiß.

Andere Rechtssysteme interessieren nicht? Im europäischen Ausland sind zumindest Kurse mit Bezug zum Europarecht die gleichen, und vermutlich wird es einige Kurse geben, die du dir anrechnen lassen kannst (wichtig: das Learning Agreement!).

Aber auch eine Erweiterung des juristischen Horizonts kann nicht schaden: Common Law kannte ich aus einer Vorlesung, in der jede Woche jemand ein anglo-amerikanisches Urteil auf Englisch präsentieren musste und die Abschlussprüfung aus einer Art Vokabeltest bestand. Hat mir gaaaanz viel gebracht in Australien ;)

Ich finde es super, mich nun auch mit der Rechtsanwendung des Common Laws auszukennen. Es war zu Beginn eher ein einziges Durcheinander von Rechtsprechung und Gesetzgebung – und an Anwendung gar nicht zu denken. Durch die ganzen Hausarbeiten im Semester und die ausführliche Auseinandersetzung mit den gewählten Kursen sowie die Diskussionen im kleinen Kreis, habe ich wirklich viel aus dieser Zeit mitgenommen – nicht nur vom australischen Recht: In den kleinen Masterkursen büffelte ich mit Juristen aus China (teilweise hatten diese im Staatsdienst gearbeitet), einem Richter aus Thailand, einer Business Law Studentin aus Mexiko und natürlich australischen Juristen. Das war unglaublich interessant! Du merkst schon, auch der andere Umgang an der Uni – mit jedem Prof per Du und mehr Diskussion als Vorlesung – hat Eindruck hinterlassen.

Kommunikativ und offen für Herausforderungen

Auto mit plattem Reifen im Outback.
Campen im Outback: An manchen Tagen verlief nicht alles nach Plan - es war das Abenteuer meines Lebens!

Eine komplett fremde Umgebung, keine Bekannte, eine „fremde“ Sprache und keine Wohnung – erscheint einem als weniger grandiose Idee, erst vor Ort suchen zu wollen, wenn man auf einmal erst in einem kaum beheizten Krankenhaus Unterkunft findet … Im Nachhinein war alles gut so, denn solche Erfahrungen prägen und pushen das Selbstbewusstsein! Unternehmensvertreter wissen Mut, Abenteuerlust und Flexibilität zu schätzen. Dafür braucht man sich nur ein paar Stellenausschreibungen durchzulesen. Außerdem ist es immer vorteilhaft, wenn man sich offen auf andere Kulturen und Sitten einlässt. Unkommunikativ kommt man da nicht so weit …   

Und auch die Reisen können fordern und zur persönlichen Entwicklung beitragen. Ich war immer brav in der Uni und trotzdem viereinhalb Wochen unterwegs. Ein Trip entlang der Ostküste: komplett allein geplant, Steckenbleiben und platter Reifen mitten im Outback, Kängurus und Koalas, Crêpe-Abende mit meiner französischen Mitbewohnerin – Erinnerungen und Erfahrungen, die bleiben! Dafür ist ein Auslandssemester da!

Probier es aus – du kannst nur gewinnen!

Und wer Tipps für ein Semester in Australien möchte: Immer her mit den Fragen! ;)

See ya!

Deine Kim