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Arbeitszeit – Wer länger im Büro bleibt, schadet sich enorm!

Katja Mayer 07.08.2012
In deutschen Unternehmen herrscht zuweilen noch immer ein scheinbar objektiver Maßstab für Produktivität: die Uhr. Die Anwesenheit gilt als Beleg für die Loyalität und den Leistungswillen eines Mitarbeiters, Stress als Statussymbol. (Und ganz verrückt: in manchen Unternehmen gibt es noch die traditionelle Stechuhr!)
Arbeiten bis in die späten Abendstunden ist weit verbreitet
Früh Feierabend machen nur Faulpelze?!

Und je höher jemand aufsteigt, desto stärker mutiert die Arbeitszeit zum Prahlobjekt. Laut eines Berichts des Statistischen Bundesamts arbeiten 39 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Führungspositionen wöchentlich mehr als 48 Stunden im Job. Bei Topmanagern sind es sogar zwischen 60 und 70 Stunden pro Woche, wie eine andere Umfrage ergab. Die Zahlen variieren vielleicht hier und da. Dennoch denken nicht Wenige: Feierabend machen nur Faulpelze. Schön blöd!

Falsch: Arbeitszeit bis 21 Uhr

Tatsächlich ist es so, dass zu langes Arbeiten die Produktivität erheblich mindert. Zu diesem Ergebnis kamen beispielsweise Forscher der Durham Business School und des Beratungsunternehmens JBA in ihrer Studie „Effektives Arbeiten im 21. Jahrhundert“. So stieg mit der im Büro verbrachten Zeit auch die Bereitschaft, drei oder mehr Tage im Jahr zu fehlen, beziehungsweise blau zu machen. Oder salopp formuliert: Wer häufiger da sein muss, ist häufiger abwesend. Konkret betraf das 15,9 Prozent der Büroarbeiter. Eine weitere britische Studie zur Arbeitszeit unter 6000 Beamten kommt gar zu dem Schluss, dass jene, die mehr als zehn Stunden pro Tag arbeiteten, ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko hatten, herzkrank zu werden.

Wissenschaftler aus Finnland fanden außerdem heraus, dass Menschen, die statt der regulären 40 Stunden bis zu 55 Stunden oder mehr arbeiten, über ein geringeres Vokabular verfügen. Ihr Fazit : Besonders gebildetere Menschen neigen dazu, sich besonders häufig unnötig bei der Arbeit zu verausgaben. Übrigens: Eine vergleichbare Studie zeigte, dass Teams, die 40 Stunden in der Woche arbeiten, genauso viel leisten, wie die Vergleichsgruppe mit einer 80 Stunden Woche.

Zuhause weiterarbeiten

Trotzdem arbeiten die Menschen weltweit immer länger. Allein in den USA haben zwei Drittel der Beschäftigten in den vergangenen Jahren mehr Zeit im Job verbracht, als sie eigentlich mussten. In anderen Ländern sieht das auch nicht viel besser aus. Hierzulande nimmt sich zudem etwa jeder Zweite noch regelmäßig Arbeit mit nach Hause. Und dabei sind noch nicht einmal jene Fälle berücksichtigt, in denen das unbewusst geschieht – etwa, weil die Betroffenen Frust, Ärger und Stress ins heimische Wohn- und Schlafzimmer verlagern.

Und es geschieht noch etwas anderes: Sobald Arbeitnehmer beginnen, regelmäßig Überstunden zu machen, mutieren diese zum etablierten Standard. Es wird normal, bis spät in den Abend oder die Nacht im Büro zu sitzen. Wer dann irgendwann einfach wieder regulär nach Hause gehen will, sieht plötzlich, nun ja, faul aus.

Überstunden können krank machen
Unproduktiv, gestresst, krank – ständige Überstunden haben negative Folgen.

Doch das ist eben nur ein Eindruck – wenn auch ein falscher. Was regelmäßige Überstunden tatsächlich verraten, ist etwas ganz anderes…

Wer sich aber im Job übernimmt, überholt seinen Boss allenfalls beim Burnout oder Herzinfarkt. Unklug! Besser: Du trittst kürzer und schaffst Eindruck nicht über deine Anwesenheit, sondern durch überzeugende Leistungen! Setze dich mit deinem Vorgesetzten zusammen und besprecht eure Projekte. Priorisiert sie gemeinsam in Kategorie A (für heute machen), B (reicht morgen) oder C (nächste Woche) und befolge diese Ratschläge:

  • Sage auch mal Nein! Orientiere dich dabei an der Prioritätenliste.
  • Wende Zeitmanagementmethoden an!
  • Ernähre dich besser, gehe zum Mittag raus, verabrede dich und baue dein Netzwerk aus!
  • Melde dich in einem Sportverein an und gehe zu festen Zeiten zum Training! Ein richtiges Hobby zu haben, kommt auch gut bei Personalern und Chefs an!
  • Entschleunige!

20 Dinge, die ein zu langer Arbeitstag bedeuten kann:

  1. Du bist sehr fleißig.
  2. Dein Chef mag dich.
  3. Du besitzt Leidensfähigkeit und Ausdauer.
  4. Du kannst schlecht Nein sagen.
  5. Du arbeitest nicht besonders effizient.
  6. Du kannst dich nicht allzu gut selbst organisieren.
  7. Du vergeudest zu viel Zeit vor dem Computer.
  8. Dein Gehalt sollte höher sein.
  9. Durch unbezahlte Überstunden wird es auch nicht besser.
  10.  Du ernährst dich schlecht.
  11.  Du bewegst dich zu wenig.
  12.  Du nervst andere mit deinen E-Mails in deren Feierabend.
  13.  Du hast kein besonders erfülltes Privatleben.
  14.  Deine Familie kennt dich vor allem von Fotos.
  15.  Du triffst deine Freunde viel zu selten.
  16.  Du lebst nur noch für deinen Beruf.
  17.  Du schläfst zu wenig, um dich langfristig gut konzentrieren zu können.
  18.  Du bist auf dem besten Weg zu einem Burnout.
  19.  Du weißt wenig mit deinem Leben anzufangen.
  20.  UND: Du arbeitest zu lange!

Wenn also auf deiner Wange schon wieder das Wort ZTREWQ zu lesen ist oder die Kollegen dich bitten, das Licht auszumachen, dann ist es Zeit zum Umdenken und Neupriorisieren!

In Kooperation mit Karrierebibel