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Arbeitgeberwahl: Lieber zur bekannten Marke oder ins Firmenkundengeschäft?

Mit Arbeitgeber-Check B2C oder B2B: Was passt besser zu dir?

Katja Mayer 17.12.2012
Was haben Volkswagen, die AllianzFresenius und Wittmann Battenfeld gemeinsam? Richtig: Sie sind alle vier international agierende Großkonzerne. Doch während die Namen der ersten beiden in aller Munde sind, kennen die Letztgenannten nur Brancheninsider. Und das ist irgendwie auch logisch: Schließlich verkaufen die zwei bekannten Unternehmen ihre Produkte an Endverbraucher (B2C), während die anderen beiden Firmenkunden (B2B) beliefern.
Arbeitgeberwahl
Welcher Arbeitgeber passt zu dir?

Dieser kleine aber feine Unterschied wirkt sich allerdings gewaltig aufs Image bei Absolventen aus: Das Trendence-Ranking der Top-Arbeitgeber listet beispielsweise regelmäßig in allen Kategorien große Namen aus dem B2C-Bereich ganz oben – B2B-Arbeitgeber tauchen erst um Platz zehn auf und auch ab da nur vereinzelt. Zu Recht? Hat dieser Unterschied wirklich so viel Einfluss auf die späteren Karriereperspektiven derjenigen, die dort einsteigen, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nahelegt?

Die Strahlkraft großer Namen

Gewiss, große Namen haben große Anziehungskraft: Entsprechend groß ist die Konkurrenz unter Bewerbern, weil sich viele von ihnen an der Reputation eines Unternehmens orientieren. Jeder will zu einem Unternehmen mit bekanntem Namen – oft auch, weil einem die anderen gar nicht erst einfallen. Entsprechend müssen sie sich gegen eine große Mitbewerberzahl durchsetzen – und nur wenigen gelingt das. Die dürfen sich dann zu Recht als die Besten fühlen – ähnlich sehen das schließlich auch andere Personaler, die solche klingenden Namen im Lebenslauf ebenfalls registrieren.

Trotzdem solltest du den Einstieg bei einer bekannten Marke nicht mit einer Art Turbokarriere verwechseln oder diese gar gleichsetzen. Denn der Konkurrenzdruck beim Berufseinstieg setzt sich fort: Auch die nächst höhere Karrierestufe ist bei solchen Unternehmen meist hart umkämpft, und die Konkurrenz bleibt groß – intern wie extern. Das wissen auch die Unternehmen und tun entsprechend wenig dazu, es den jeweiligen Kandidaten einfacher zu machen. Vielmehr setzen sie auf natürliche Selektion: Gut, wer es schafft und sich durchsetzt. Der Rest: Pech gehabt. Was für dich heißt: Zähne zusammenbeißen – und durch.

Wer das Pensum und die Auslese schafft, hat jedoch kaum Nachteile zu fürchten: Ein namhafter Arbeitgeber macht sich immer gut im Lebenslauf. Schließlich strahlt dessen Licht auch auf deine Vita ab – und erleichtert spätere Jobwechsel enorm. So kann dir – durch geschickte Wechsel – durchaus eine schnelle Karriere gelingen.

Aber fassen wir noch mal zusammen: Diese Punkte sprechen für einen B2C-Arbeitgeber. (Merke dir bitte die Anzahl der Punkte, die auf dich zutreffen.)

  •  Möchtest du andere mit deinem Arbeitgeber beeindrucken?
  • Magst du gerne Konkurrenzsituationen?
  • Spornt dich Wettbewerb unter Kollegen eher an?
  • Bist du bereit, dich größtenteils selbst um deine Karriere zu kümmern?
  • Stört es dich nicht, wenn die Lebensbalance darunter leidet?

Spezialisten bieten gute Karrierechancen

Jetzt die Alternative: Bei den B2B-Unternehmen ist der Konkurrenzdruck nicht ganz so groß, denn sie tun sie bisher recht wenig, um ihre mangelnde Bekanntheit bei den Bewerbern zu verbessern. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass diese Unternehmen immer noch unterdurchschnittlich auf Social-Media-Kanälen vertreten sind, wie etwa eine Studie von „Online-Marketing-Praxis" zeigt.

Wegen des oftmals geringeren Bekanntheitsgrades der B2B-Unternehmen ist es für dich auch einfacher, an interessante Jobs zu gelangen und schneller aufzusteigen. Es bewerben sich einfach weniger Kandidaten. Und weil es auch hier eine sogenannte Mitarbeiter-Fluktuation gibt, müssen die Unternehmen mehr dafür tun, um ihre High Potentials zu halten. Entsprechend größer sind dort deine Chancen, eigene Wünsche und Karriereziele umzusetzen und zu erreichen oder dich permanent weiter zu entwickeln.

Gerade wenn du dich fachlich entwickeln willst – also eine sogenannte horizontale Karriere anstrebst, bieten dir die spezialisierten Industriezulieferer hervorragende Optionen. Und das nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch bei den Mitbewerbern: Innerhalb der B2B-Branchen gelten ganz andere Ranglisten. Wenn du bei einem der Marktführer Bestleistungen zeigst und Karriere machst, hast du auch anderswo sofort gute Chancen. Und als Spezialist ist es später meist leichter selbst bei einem B2C-Unternehmen anzuheuern. Deshalb hier auch unsere B2B-Checkliste.

  • Möchtest du dein Fachwissen vor allem vertiefen?
  • Stehst du auf langfristige Entwicklungsoptionen?
  • Kannst du dich auch mit dem Arbeiten in der Provinz anfreunden?
  • Möchtest du große Gestaltungsspielräume am Arbeitsplatz haben?
  • Ist dir die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wichtig?

Arbeitgeberwahl: Was passt besser zu dir?

Und? Gibt es schon eine klare Präferenz: Bei welcher der beiden Checklisten hast du mehr Kreuze gemacht? 

Das kann bereits ein deutlicher Hinweis drauf sein, welcher Arbeitgebertyp besser zu dir passt und wo du deine beruflichen Vorstellungen besser umsetzen kannst. Aber es ist auch nur ein erstes Indiz. Deshalb solltest du diese erste Tendenz validieren, indem du dich zum Beispiel mit konkreten Unternehmen von diesem Typus und deren Kultur auseinander setzt, dort Praktika machst oder sonst wie reinschnupperst. Denn die konkreten Bedingungen unterscheiden sich dann auch noch mal von Arbeitgeber zu Arbeitgeber.

Unterm Strich hängt die Wahl des künftigen Arbeitgebers aber nicht nur davon ab, wie viel Wert du auf Image, Konkurrenzdruck und schnelle Aufstiegsmöglichkeiten legst, sondern auch von deiner Studienwahl: Gerade das Master-Studium bietet derart viele Spezialisierungsoptionen, dass du dich damit ebenso auf künftige Berufsfelder festlegst oder spezialisieren kannst. Deshalb ist es klug, die Wahl der entsprechenden Fächer bewusst und frühzeitig zu treffen, aber eben auch erst dann, wenn du schon besser weißt, in welche Zunft es dich zieht: B2C oder B2B? Das ist die Frage!

Aber mach dir deshalb auch nicht zu viel Druck: Die Entscheidung bindet dich nicht endgültig. Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte führt dazu, dass Berufswechsel und Brüche im Lebenslauf und den entsprechenden Karrieren immer normaler werden – vorausgesetzt, du bringst die entsprechende Flexibilität mit. 

Redaktion: Katja Mayer mit Karrierebibel

Lesetipp: Eine Studie zum Thema „Internationales Key Account Management - ein Vergleich zwischen B2B- und B2C-Sektor“ von Florian C. Kleemann, BWL-Student an der Fachhochschule Landshut