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Arbeitgebersuche – auf diese Alarmzeichen im Netz musst du bei Unternehmen achten

Katja Mayer 06.11.2012
Mittlerweile nutzen rund 74 Prozent der Unternehmen Social Media fürs Recruiting. Das hat der gleichnamige Mediendienst in einer Umfrage  ermittelt. Allerdings sind nicht alle Unternehmen gleichermaßen mit der Nutzung dieser Kanäle erfolgreich.

Manche verraten dabei Dinge, die sie eigentlich gar nicht preisgeben wollen. Und das ist deine Chance, wenn du auf Arbeitgebersuche bist! Schon Paul Watzlawick wusste: Man kann nicht nicht kommunizieren. Entsprechend stecken viele Informationen über die Unternehmen auch zwischen den Zeilen der Statusmeldungen auf Facebook, den Tweets oder Blogartikeln. Dazu zählt, wie dort mit Kritik umgegangen wird oder welche Wertschätzung Transparenz oder die Interaktion mit Fans und Bewerbern wirklich erfahren. Auch wenn verräterische Phrasen wie „Bitte verschonen Sie uns mit Ihrer Kritik“ oder „Ihre Fragen dürfen Sie stellen, wenn wir Sie zum Vorstellungsgespräch einladen“ selten auftauchen, lässt sich doch viel im Subtext lesen.

Online-Auftritt von Unternehmen
Viele Informationen über die Unternehmen stehen zwischen den Zeilen.

Potemkinsche Dörfer

Vielleicht hast du das so ähnlich ja schon mal erlebt: Du checkst bei deiner Arbeitgebersuche das Web-Profil eines Unternehmens und bist vollauf begeistert von der Art der Selbstdarstellung und den Karrieremöglichkeiten, die sich dort auftun. Offensichtlich geht das auch anderen so, denn das Feedback ist durchweg positiv, und wenn Fragen kommen, werden die dankbar aufgegriffen und umgehend beantwortet. Doch irgendetwas macht dich stutzig.

Und siehe da: Die vielen positiven Kommentare und Rückfragen stammen letztlich immer von den gleichen fünf Personen. Und deren Profil gibt nicht viel her, weil sie sich systematisch abschotten und nichts über den Menschen preisgeben, der hinter dem Avatar steckt. Das ist mehr als verdächtig, denn es bedeutet möglicherweise, dass hier nur Dummies der Unternehmenskommunikation anwesend sind. Reine Image-Kosmetiker.

Arbeitgebersuche contra Abschottung

Was sagt das über einen Arbeitgeber, dessen Kultur und Werte aus, wenn schon potenziell Interessierte derart hinters Licht geführt werden? Wie viel Ehrlichkeit darf man da wohl erst als Angestellter erwarten, wenn die Wirtschaft gerade mal nicht brummt? 

Vergleichbares gilt, wenn sich eine Personalabteilung komplett abschottet und selbst auf Nachfrage nicht zu erfahren ist, wer mögliche Ansprechpartner sein könnten - angeblich „aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Mitarbeiter“. So kann die Kommunikation eines Unternehmens sicher kein Vertrauen wecken.

Natürlich verbirgt sich dahinter nicht immer böse Absicht, ab und an herrscht einfach noch viel zu viel Misstrauen gegenüber den neuen Medien und der Öffentlichkeit. Möglicherweise haben viele Unternehmen aber auch gar nicht verstanden, wie das Web 2.0 eigentlich funktioniert.

Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer Facebook Recruiting-Studie hin, wonach mehr als die Hälfte der Unternehmen nicht auf Fanaktivitäten reagieren, sondern einfach ihre Botschaften verbreiten: In manchen Marketing- und Personalabteilungen herrscht womöglich noch die Meinung, Social Media ist verlängertes Werbefernsehen.

Aber auch das ist ja eine Watzlawicksche Aussage: Uns ist Wirkung wichtiger als echtes Feedback, mehr Schein als Sein.

Mythen und Missverständnisse

Ab und an werden Nutzer auch schon mal aufgefordert, Kritik und Beschwerden beispielsweise im Blog bitteschön zu unterlassen, weil das der Unterhaltung dient. Autsch.

Oder wirf einen Blick auf die sogenannten Recruiting-Videos: Wie stellt sich das Unternehmen dar: Authentisch, natürlich oder perfekt ausgeleuchtet und geschminkt? Lässt sich der Vorstand dazu herab, ein paar persönliche Sätze an Bewerber zu richtigen, ist er nahbar? Und was sagen die Mitarbeiter in den Videos? Sind das nur hohle Phrasen, leere Worthülsen und rundgelutschtes Blabla? Oder gewährt das Unternehmen tatsächlich Einblicke in die wirkliche Arbeit? In all diesen Bildern stecken viele Aussagen, die die Filmemacher meist nicht wegretuschiert bekommen.

Du kannst aber zum Beispiel Corporate Blogs auch dahin gehend analysieren, wie offen und auch kritisch Mitarbeiter dort schreiben dürfen. Klar müssen auch die an ihren Job denken, deshalb wird keiner über Kollegen oder den Chef herziehen. Aber sie können dort ja durchaus auch ihre eigene Meinung vertreten oder über private Interessen schreiben. Je mehr Vielfalt (auch im Denken und Schreiben) existiert, desto mehr spricht das für ein gesundes und tolerantes Betriebsklima.

Falls vorhanden und öffentlich solltest du auch einen Blick auf die Social-Media-Richtlinien werfen. Das hat auch viel mit dem Vertrauen zu tun, dass das Unternehmen in seine Mitarbeiter setzt. Bestehen die Guidelines praktisch nur aus Verboten, ist das meist ein verlässliches Indiz für ein rigides Regiment. Und es ist schon komisch, wenn die offiziellen Seiten verkünden, das Unternehmen suche unternehmerisch denkenden Nachwuchs, setze auf Eigenverantwortung und fördere Diversity – während es aus jeder Zeile der Social Media Richtlinien schreit: Wir halten euch für kleine Kinder, die kontrolliert, überwacht und bei Fehlern bestraft werden müssen. Oder aber es wird deutlich, dass in dem Unternehmen die jüngeren Mitarbeiter die älteren in Sachen Facebook & Twitter schulen. Das wiederum zeigt Offenheit, Akzeptanz und das Wissen darum, wer hier wie voneinander profitieren kann.

Spuren im Netz

Auf all diese stummen Signale kannst und solltest du bei deiner Arbeitgebersuche achten, am meisten aber auf dein Bauchgefühl, denn es nimmt diese Warnungen meist viel schneller und deutlicher wahr. Und wenn man erst einmal am Lack kratzt, kommt unter manch' schillernder Selbstdarstellung als Top-Arbeitgeber und Spitzen-Bewertungen aktueller und ehemaliger Mitarbeiter auf einschlägigen Plattformen ein kauziger Oldtimer zum Vorschein, der gern mondäner aussehen will, als er ist.

 

Redaktion: Katja Mayer mit Karrierebibel