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Abkürzungen: Segen oder Fluch?

So sehen die Kurzformen von heute aus

Melanie Pölking 10.07.2013
„ARD, ZDF, C&A; BRD, DDR und USA; BSE, HIV und DRK; GbR, GmbH – ihr könnt mich mal.“ Mit ihrem Titel „MfG“ persiflierten die „Fantastischen Vier” treffend den deutschen Hang zur Abkürzung. Wer zum Verständnis des Songtexts ein Wörterbuch oder Abkürzungsverzeichnis benötigt, ist damit in guter Gesellschaft.
Gängige Abkürzungen im Job

Täglich stehen Menschen beim Entschlüsseln an sie gerichteter Botschaften vor Rätseln – und dieses Schicksal betrifft nicht nur Berufseinsteiger. Sicherlich ist es sinnvoll, für gebräuchliche Wendungen eine Kurzform einzuführen – insbesondere dann, wenn der Begriff an sich Längen hat. Abkürzungen wie vgl., usw., u. a., z. B., Nr., kg, Bd., Dr. erleichtern tatsächlich den Umgang mit Texten, weil sie das Gemeinte kurz auf den Punkt bringen. Sie sind so geläufig, dass so gut wie jeder ihre Bedeutung kennt und mit diesen Informationen etwas anfangen kann.

Wenn Abkürzungen den Sinn entstellen

Abkürzungen-Tastatur
Gängige Abkürzungen im Arbeitsalltag

Wie weit allerdings der Begriff gebräuchlich zu fassen ist, daran scheiden sich regelmäßig die Geister. Insbesondere große Organisationen – dazu zählen neben den Behörden im Übrigen auch Konzerne – neigen dazu, sich mit Abkürzungen eine eigene Begriffswelt zu schaffen – und diese gleich abzukürzen. Schließlich will keiner Bandwurmwörter wie das kürzlich eingestampfte Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz tatsächlich verwenden müssen, obwohl der ausgeschriebene Begriff tatsächlich verständlicher ist als seine Abkürzung: RkReÜAÜG. Wer hat sich da gerade geräuspert? ;)

Nicht nur aufgrund der Möglichkeit, in der deutschen Sprache Substantive mit Hilfe eines Fugenlauts fast endlos aneinander reihen zu können, steht Deutschland weit vorn auf der Liste der Nationen mit besonders viel „Spaß" an Abkürzungen.

Speziell die verflossene DDR war berühmt-berüchtigt dafür, für sämtliche stehenden Begriffe vom Außenhandel-Abrechnungs-Kontor Berlin (AAK) bis zum Zentralen Warenkontor (ZWK) eine Kurzform zu schaffen.

Natürlich gab's auch für diesen galoppierenden Abkürzungsfimmel ein Kürzel: Aküfi.

Die Globalisierung des Aküfi

Weltmeister in puncto Abkürzung sind allerdings die Vereinigten Staaten. Und natürlich haben deren englische Kurzformen im Zuge der Globalisierung auch in deutschen Unternehmen Einzug gehalten und werden häufig in unsere alltägliche Sprache integriert. So kommt es, dass zum Beispiel die HR darauf achtet, ob der Bewerber einen MBA im CV stehen hat, wenn sie auf der Suche nach einem neuen CEO ist.

IYKWIM – if you know what I mean

Noch schlimmer wird’s, wenn englische Kurzformen deutsch gesteigert werden, um etwas mehr Dynamik zu suggerieren – und zum Beispiel das amerikanische ASAP (as soon as possible) zum ASAPst (für schnellstmöglich) mutiert. Autsch!

Vor dieser kruden Form des Denglischen wenden sich nicht nur Sprachbewahrer voll Grauen ab. Der Insider allerdings fühlt sich hip – und grenzt sich so von den anderen ab.

Inklusion und Exklusion

Überhaupt: Insider. Wer mit einschlägigen Fachbegriffen und Abkürzungen um sich wirft, zeigt seine Fachkenntnis. Das zeigt sich ja auch an der Uni, wo ältere Semester die Erstis beeindrucken, indem sie ihnen von Bib und AStA erzählen und für ihre Diss Quellen wie Pub Med oder die altehrwürdige KZfSS zitieren: Sie machen ein schlaues Gesicht, wie der Soziologe Wolf Wagner dieses Verhalten in seinem Ratgeber Uni-Angst und Uni-Bluff nennt.

Schließlich hat Sprache ja immer auch eine soziale Funktion: Indem Gruppen sich ihre semantischen Codes schaffen, grenzen sie sich von anderen ab. Wer diese Begriffe beherrscht, gehört dazu; wer nicht, bleibt Außenseiter.

Selbstverständlich setzt sich dieser Mechanismus im Arbeitsleben fort. Wenn du dazugehören willst, musst du die Bedeutung der wichtigen semantischen Codes beherrschen.

Als Hilfe dafür haben wir dir ein Abkürzungsverzeichnis zusammengestellt:

Gebräuchliche Abkürzungen im Joballtag