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„Jeder ist handverlesen“

Vor Ort bei BCG in München

Tim Fahrendorff 11.09.2012
Das Bild des Beraters wird in der Diskussion mit Freunden oder Kommilitonen oft sehr ambivalent betrachtet. Wie der Beruf in der Beratung wirklich aussieht und welche Vorurteile stimmen, wollten wir einmal genauer wissen und sind dafür mit euren Fragen zu BCG nach München gereist.

 

Tim und Tonia entdeckten das BCG-Büro in München
Tim und Tonia erhielten eine exklusive Führung durch das Münchner BCG-Büro.

Auf der einen Seite ist ein Job in der Beratung das Ziel vieler Studierenden. Das Image der Exzellenz umweht den Beraterberuf. Man sieht die allgegenwärtigen Problemlöser vor sich, die durch die Welt jetten und obendrein eine Stange Geld verdienen. Gleichzeitig schwingt die Angst vor einer zu hohen Arbeitsbelastung oder einem Burnout mit. Berater seien ja nur am Arbeiten und länger als die ersten zwei Jahre hält es kaum jemand aus in dem Beruf, der einen hohen Mitarbeiterverschleiß zu haben scheint. 

Beratung im Universitätsviertel

Inmitten des Universitätsviertels gelegen, in einem alten Gebäude, den Schriftzug nur dezent auf der Tür, wurden wir von BCG empfangen. Da uns das Gesamtbild interessierte, hat uns BCG ein Gespräch mit dem frisch gebackenen Associate, Patrick Müller, vorher 6 Monate Praktikant, und mit Carsten Baumgärtner, erfahrener Partner bei BCG und verantwortlich für das Recruiting, organisiert. 

Patrick hat eher nicht den klassischen Weg genommen, er hatte nicht gezielt darauf hin gearbeitet, Berater zu werden. Um den Beraterberuf aber mal kennen zu lernen, ist er während des Studiums  zum Inside-Workshop von BCG gegangen und von dort aus in ein Praktikum bei der Unternehmensberatung. Er schwärmt davon, wie er sofort von den  Menschen beeindruckt war, die bei BCG arbeiten, von der Kollegialität und der unkomplizierten Aufnahme ins Team.

Mini-MBA für Nicht-Wiwis

Natürlich ist es so, dass man als frisch gebackener Jungeberater zunächst eine Einführung bekommt, in denen beratungsrelevante Basics beigebracht werden. Für alle Neueinsteiger ohne Wirtschaftsstudium wird zudem eine Art Mini-MBA angeboten. Danach geht es direkt ins Team und zum Kunden. Dabei herrscht bereits von Anfang an Gleichstellung der Teammitglieder. Gleich auf einem der ersten Projekte kam er zu einer Firma aus Deutschland und der Türkei, wo ihn selbst die Führungskräfte nach einiger Zeit nicht anders behandelten als andere Berater. Ist der Arbeitsaufwand tatsächlich hoch gewesen?

Er lächelt und drückt sich vorsichtig aus. Dass man sich kaputt macht, das stimmt einfach nicht. Man hat flexible Arbeitszeiten und wenn einmal nicht so viel los ist und es das Projekt erlaubt, geht man eben  früher nach Hause. Genau so gibt es aber auch Phasen, in denen länger gearbeitet wird. Es sei wohl wie immer nicht einfach zu erklären, aber wenn man sich für eine Sache begeistert und viel lernen will, so Patrick, dann macht man es auch gerne. Nur die Wochenenden, die hat er sich frei gehalten. Zum Gehalt verriet er nur soviel, dass man es nie auf die Stunden runterbrechen würde, sondern am Ende des Monats stets genug hätte.

Fokussiert auf den Output

Das Team arbeitet stets im kleinen Kreis zusammen. Projekte werden früh in Module geteilt, für die jeder Berater eine bestimmte Verantwortung hat. Auch hier gilt, wer gut organisiert ist, muss nicht zwangsläufig mehr arbeiten. Es gehe letztlich um den Output. Es gibt Deadlines und es ist eben kein 9 – 5 Job.  Auch als Team ist man nicht auf sich allein gestellt. Intern gibt es Abteilungen bei BCG, die für die Recherche von etwa Marktdaten und –analysen für die „Außenteams“ beschäftigt sind und die Berater unterstützen. Generell ist es so, dass man sich als Berater schnell Kenntnisse aus unterschiedlichen Branchen aneignet, man muss aber nicht mit diesem Spezialwissen starten. Als Absolvent wird man zunächst als Generalist eingesetzt, danach kann man sich für einen bestimmten Bereich festlegen und spezialisieren. 

BCG-Kantine in München
Viel Grün in der Kantine im Innenhof des BCG-Gebäudes

Wen sucht BCG?

Prinzipiell, so lernen wir, werden Menschen mit den richtigen Fähigkeiten und Einstellung gesucht, der richtige „Fit“ also. Klar sind auch Noten und wirtschaftliches Denken notwendig, aber das sind  nicht die einzig ausschlaggebenden Punkte. Natürlich hilft es, die berühmte BCG Matrix zu kennen, aber solche und andere Tools sind nur gut zur Darstellung von Konzepten, die man sich auf anderem Wege im Team erarbeitet hat.

Nach diesem Gespräch ging es dann mit dem hauseigenen Paternoster-Aufzug zwei Etagen tiefer zur Kantine, die im Innenhof des imposanten Baus ihren Platz hat; direkt neben den Fußballkicker-Tischen und dem eigenen, für Münchner Verhältnisse fast schon obligatorischen, Biergarten. Da wir unserem Partnerunternehmen an einem Freitag, einem Office-Friday, einen Besuch abstatteten, sah man doch so einige BCGler in Jeans, T-Shirt und sogar nach den roten Chucks suchten wir nicht vergeblich. Sehr interessant war auch die Information, dass man im Münchner BCG-Büro verschiedenen Dörfern angehört, Gruppen also, denen man zugehörig ist, was dann auch auf Bildertafeln bildlich dargestellt wird.

BCG als Partner

Zu welchem Dorf Carsten Baumgärtner gehört, haben wir zwar nicht herausgefunden, dennoch erzählte uns der Vater von zwei Kindern, der bereits seit über 13 Jahren Teil des Unternehmens ist, ein paar Dinge über seine Aufgaben als Partner bei BCG. Er reist zwar noch immer viel , schläft jedoch häufiger als früher abends nicht im Hotel, sondern im eigenen Heim. Die Stufen, die vorab durchlaufen werden müssen, sind klar: Man startet als Associate, wird dann Consultant, anschließend Projektleiter und zuletzt Partner.

Wie man Partner werden kann

Die durchschnittliche Verweildauer liegt bei drei bis vier Jahren in diesem Job, nach welcher die Berater BCG verlassen, etwa um in eine interessante Position in einer anderen Branche zu wechseln. Entscheidet man aber, die Beraterleiter weiter nach oben steigen zu wollen, gehört neben herausragender Performance auch der Wille dazu, den Weg bis zum Schluss zu gehen und eine Partnerschaft einzugehen. Auch in dieser Zeit bekommt man halbjährig ein ausführliches Feedback, um genau zu wissen, wo man steht. So genannte Career Development Commitees unterstützen die Mitarbeiter während dieser Zeit. Insgesamt gibt es weltweit rund 600  BCG Partner und unter Partnerschaft versteht BCG eine wirkliche Partnerschaft, erklärt Baumgärtner. „Das bedeutet, dass sich  die  Partner bei BCG in allen Situationen gegenseitig unterstützen.“ Jeder Partner hat gleiche Rechte und trifft wesentliche Entscheidungen eigenverantwortlich, wobei vieles auch von verschiedenen Komitees entschieden wird.

Voller Terminkalender

Um unsere Frage zum typischen Arbeitsalltag zu beantworten, gewährte uns Carsten Baumgärtner einen kleinen Einblick in seinen Terminkalender. Da gab es Meetings mit Projektleitern oder Besprechungen und Calls mit Mitarbeitern von Kunden. Aber auch Kundenessen oder Teamdinner gehören zur Agenda, welche dafür sorgen, dass viele Tage nicht vor 23 Uhr enden. Der Kalender zeigte ebenfalls Zeiträume auf, in denen er zum Beispiel die angebotenen Projektmodule prüft , wo man den Kunden noch stärker unterstützen kann oder sich auf Meetings inhaltlich vorbereiten und die ein oder andere Powerpointpräsentation auch schnell selbst fertig stellt. Der Freitag jedoch wird ab 18 Uhr geblockt, dann geht er zum Abendessen zur Familie nach Hause. „Wir sind Dienstleister,“ betont Baumgärtner. Dies impliziere ein hohes Maß an Flexibilität. „Die Beratung bedeutet zwar eine zeitlich höhere Belastung, doch über die Einteilung entscheiden muss jeder selbst.“  Eine durchschnittliche Stundenwoche liegt etwa bei 50-60 Stunden , wobei es zwischen einzelnen Projekten durchaus Wochen mit weniger Arbeitsstunden gibt.

Die Loftikanten Tim und Tonia bei BCG
Tonia und Tim auf der Dachterasse von BCG in München

„Einer der Hauptentscheider über die Work-Life-Balance bei BCG ist man selber“, betont er. Letztlich entscheidet man über sein Arbeitspensum selbst. Dieser Blick auf Individuen, betonte Baumgärtner, ist sehr wichtig. „Jeder ist handverlesen!“ Der BCG-Spirit lebt von den Menschen, die die Organisation ausmachen und genau diese wählt BCG sorgfältig aus.

Wir hatten trotz des eher schlechten Wetters einen spannenden Tag bei BCG! Bis zum nächsten Mal,

Tim & Tonia