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Hände weg vom Steuer: Pilotiertes Fahren macht das Leben leichter

Audi setzt neue Maßstäbe

Melanie Pölking 12.02.2014
Stell dir vor, du stehst in einem zehn Kilometer langen Stau. Stop and Go auf der Autobahn. Der Fahrer im Wagen neben dir trommelt nervös mit den Fingern auf sein Lenkrad.

Wagen fährt wie von Geisterhand

Und du … schaltest auf Staupilot um und nimmst die Hände vom Steuer. Der Wagen fährt weiter wie von Geisterhand. Er lenkt dich sicher durch den Stau, steigert künftig deinen Komfort und lässt dich die Zeit sinnvoll nutzen. Wunschdenken? Keineswegs. Bis 2020 will Audi das „pilotierte Fahren“ auf deutschen Straßen etablieren. 

Schon jetzt sind einige Audis hochautomatisiert auf der Autobahn unterwegs – allerdings zu Erprobungsfahrten und immer mit Sicherheitsfahrern. Es wird weiter gefeilt und getüftelt, damit das vollautomatische Fahren absolut zuverlässig ist. Harald Altinger entwickelt gemeinsam mit seinen Kollegen aus der „Vorentwicklung Assistenzfunktionen“ den Parkhauspiloten. Der 28-Jährige macht die Software, mit der das Fahrzeug „weiß“, wo es ist und was es zu tun hat. 

Parkplatzsuche Ade 

Harald Altinger entwickelt den Parkhauspiloten für Audi
Harald Altinger entwickelt gemeinsam mit seinen Kollegen den Parkhauspiloten

Nach einem Studium der Telematik an der Technischen Universität in Graz kam Harald Altinger 2011 als Diplomand zur Audi Electronic Ventures GmbH nach Ingolstadt. Seit Mai 2012 ist er interner Doktorand bei Audi. „Meine größte Motivation als Techniker sind die Momente im Fahrzeug, wenn man sieht, dass alles im Auto gut funktioniert. Das ist mein persönliches Highlight“, sagt der Österreicher.

Beim „pilotierten Fahren“ geht es um drei Funktionen:

  • Der Staupilot führt den Wagen bei einer Geschwindigkeit von 0 bis 60 km/h sicher durch eine Stausituation, auf der Autobahn oder Schnellstraße.
  • Der Parkpilot lenkt den Wagen souverän in eine Längs- oder Querparklücke am Straßenrand.
  • Der Parkhauspilot macht die vollautomatische Parkplatzsuche und das Einparken im Parkhaus möglich.

„Man gibt einfach ‚bitte Parken’ über das Smartphone ein. Der Wagen sucht sich seinen Platz im Parkhaus und fährt diesen auch ohne Fahrer hochautomatisiert an“, erläutert Harald Altinger. „Auf Wunsch und mit entsprechender Eingabe ins Smartphone parkt das Fahrzeug auch eigenständig wieder aus. Der Fahrer nimmt das Auto in der Übergabezone wieder in Empfang.“ Auch dem Parkhausbetreiber würde der Einsatz dieser Technik zugutekommen: Sie spart Platz, da niemand mehr aus dem Wagen aussteigen muss. Die Autos können dadurch enger zusammen geparkt werden. Eine denkbare Zusatzfunktion ist das Betanken während der Parkzeit – ebenfalls zeitsparend und damit ein echter Mehrwert für den Besitzer.

Fahren mit Komfortfunktion 

Und wie fährt es sich so ganz ohne Hand anzulegen? Seine erste vollautomatische Fahrt auf Basis der von ihm entwickelten Software war für Harald Altinger extrem aufregend: „Das allererste Mal hatte ich ein kribbeliges Gefühl, als ich die Hände vom Lenkrad genommen habe. Da war ich schon sehr angespannt. Aber man gewöhnt sich daran. Es ist eine Komfortfunktion.“

Das Pilotierte Fahren soll künftig noch mehr Audi-Fahrer unterstützen. Derzeit werden Technikträger auf Basis des Audi A7 oder des Audi A6 zur Erprobung eingesetzt. Perspektivisch könnte die Funktion aber in jedes Modell mit aufgenommen werden – ähnlich wie einst das ACC (adaptive curise control – ein distanzadaptiver Tempomat). Bis zur Serienreife müssen noch rechtliche Bedingungen der Zulassung und Produkthaftung geklärt werden. Harald Altinger ist optimistisch: „Bei einer Demonstration im November 2013 haben wir gezeigt: Das Entwicklungssystem funktioniert in der Praxis. Für den Serienstand müssen wir die Zuverlässigkeit und die Qualität der entwickelten Software zulassungsfähig nachweisen.“ 

Auf die Frage, welches Auto er denn privat fahre, antwortet er: „Ich bin für die kurzen Wege in Ingolstadt immer mit dem Fahrrad unterwegs.“ Freihändig fahren? Fehlanzeige. „Da darf man die Hände ja nicht vom Lenker nehmen. Das ist zu gefährlich.“