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Ganz neu gedacht

Welche Angebote muss Audi seinen Kunden für die Mobilität der Zukunft machen? Wie lassen sich radikale Konzepte am besten realisieren? Anne Greul, Doktorandin an der TU München, beschäftigt sich bei Audi mit diesen Fragen. In Teil 4 unserer Serie „Einblicke bei Audi“ spricht sie über ihren Werdegang und ihre Projekte wie „pitch@“. Dabei bekommen Mitarbeiter mit Ideen für radikale Produkte oder Geschäftsmodelle die Chance, mit dem Vorstand auf Augenhöhe zu diskutieren und das Top-Management als Fürsprecher zu gewinnen.
Anne Greul, Doktorandin an der TU München, und im Innovationsmanagement von Audi beschäftigt, am Laptop

Anne, du hast ja schon einen ungewöhnlichen Studienweg hinter dir. Wie hat er dich zu Audi geführt?

Im Bachelorstudium haben mich neben den klassischen betriebswirtschaftlichen Inhalten sehr die Themen Verbraucherverhalten und Produkt-Design interessiert. Bei einem Praktikum in der Modeindustrie habe ich erste Erfahrungen gemacht, wie etablierte Unternehmen mit radikalem Wandel in Verbraucherwünschen und technischen Neuerungen umgehen können. Mit einem internen Startup machten wir uns die Möglichkeiten der Digitalisierung zu Nutze und adressierten eine komplett neue Zielgruppe – das war eine spannende Spielwiese, um eigene Ideen auszutesten.

Im Masterstudium habe ich mein Wissen in Consumer Insights, Business Design und Innovation vertieft. In Projekten mit Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen ging es häufig um die Frage, wie innovative Produkte und Services entwickelt werden können und neue Geschäftsmodelle ganze Industrien disrupten – also diese in gewisser Hinsicht auf den Kopf stellen. Mit meiner Promotion bei Audi knüpfe ich dort an. Die Automobil-Industrie befindet sich gerade im Wandel und ich untersuche, wie Audi radikale und disruptive Innovationen entwickeln kann, um zukünftige Technologie- und Verbrauchertrends aktiv mit zu gestalten. 

Du betreust hier drei Projekte. In einem davon leitest du ein Innovationsteam, das an einer ganz neuen Produktidee arbeitet. Was kannst du darüber sagen?

Bild mit Post-its bei Audi im Innovationsmanagement
Post-its helfen beim Ideen sammeln und bewerten.

Hier geht es nicht um ein neues Fahrzeug im klassischen Sinn, sondern um eine neue, radikalere Definition des Begriffs Mobilität – vor allem für Menschen in den großen Metropolen der Welt. Megatrends wie Urbanisierung oder Digitalisierung bringen sowohl Herausforderungen als auch spannende Chancen mit sich. Wir nehmen uns der Chancen und Herausforderungen an und entwickeln Lösungen für neue Szenarien und zukünftige Verbraucherwünsche.

Dein zweites Thema heißt pitch@ und ist ein neues Entscheidungsformat, in dem Mitarbeiter ihre Ideen dem Vorstand vorstellen können. Wie funktioniert das?

Radikale oder gar disruptive Innovationen verschaffen Unternehmen einen enormen Wettbewerbsvorteil. Für die erfolgreiche Umsetzung braucht es aber Mut zum Wandel und Fürsprecher auf allen Ebenen. Bei pitch@ bekommen Mitarbeiter mit Ideen für radikale Produkte oder Geschäftsmodelle die Chance, mit dem Vorstand auf Augenhöhe zu diskutieren und das Top-Management als Fürsprecher zu gewinnen. Erfolgsversprechende Ideen werden auf diese Weise mit einer schnellen und unbürokratischen Start-Investition gefördert und getestet. Wir haben das pitch@-Format im Herbst 2016 in der Technischen Entwicklung gestartet, jetzt wird es auf alle Geschäftsbereiche ausgerollt.

Kann man radikale Ideen denn in der regulären Organisation eines Großunternehmens vorantreiben?

Diese Frage wird in der Forschung kontrovers diskutiert. In einer Studie untersuche ich deshalb, wie interne und externe Einflüsse den Innovationsprozess radikaler Produktideen beeinflussen. 50 Kollegen, die bei Audi an solchen Innovationsprojekten arbeiten, teilen mir jede Woche in einem Online-Fragebogen anonymisiert mit, welche Impulse sie für ihr Projekt erhalten haben und wie es sich weiterentwickelt.

Welche Einflüsse wirken denn auf eine Idee?

Ideen sind extremen Einflüssen ausgesetzt – nicht nur von internen Experten, sondern auch von Kunden oder anderen externen Akteuren. Das ist wichtig, denn nur durch klares Feedback werden aus Ideen erfolgreiche Innovationen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass gerade radikale Ideen durch kritische Stimmen ausgebremst werden. Ziel der Studie ist es, Antworten für grundlegende und industrieübergreifende Fragen zu liefern: Wie können etablierte Unternehmen radikale Ideen entwickeln und umsetzen? Wie kann man neue Kunden ansprechen und gleichzeitig bestehende Kunden zufrieden stellen? Wie viel Distanz von den etablierten Prozessen und Strukturen tut Ideengebern und ihren Ideen gut?

Wie viel Start-up-Praxis kann und muss sich Audi leisten?

Große Unternehmen können sich von Start-ups in Bezug auf Agilität und Kultur sehr viel abschauen. Es muss aber differenziert werden zwischen dem Kerngeschäft, wo der Fokus auf der kontinuierlichen Verbesserung der Produkte und Prozesse liegt, und dem explorativen Bereich, wo neue Kunden und ganz andere Produkte als bisher im Mittelpunkt stehen. Große Unternehmen müssen risiko-averser agieren als Start-ups und das Kerngeschäft parallel zum Testen neuer Ideen weiterführen. Die Kunst ist es, für radikale und disruptive Zukunftsthemen eine andere Kultur und Herangehensweise zu fördern – hier sind Start-up-Methoden sehr nützlich. Mein Bestreben ist es, einen großen Beitrag zu leisten, diesen Balanceakt bei Audi erfolgreich umzusetzen.

Anne Greul

Im Anschluss an ihr duales Studium in Betriebswirtschaftslehre studierte Anne Greul im Master an der TU München Consumer Affairs sowie Technology Management an der University of California, Berkeley und am Center for Digital Technology and Management (CDTM). Seit 2016 promoviert Anne Greul neben ihren Projekten bei Audi an der TU München im Bereich Innovations- und Technologiemanagement. Praktika bei Unternehmen wie Siemens oder HYVE, einem Innovationsunternehmen, und Forschungstätigkeiten an der Stanford University ergänzten ihren Studienweg.

Bei Audi warten jede Menge spannender Jobs auf dich. Eine kleine Auswahl stellen wir dir in unserer Serie „Einblicke bei Audi“ vor:

Teil 1: James Garrett, Leiter Recruiting, zum HR-Arbeitsalltag mit Tipps für Bewerber
Teil 2: Doreen Engelhardt, Entwicklerin Innovationen Bedienung, und Manya Sahakyan,  Computerlinguistin, über die neue, intelligente Sprachsteuerung des A8
Teil 3: Alexander Juling, Projektleiter Elektronische Fahrwerksplattform (EFP), über die Grenzen der Physik
Teil 5: Alessandro Monaci, Mitarbeiter Qualitätssicherung, zum Testcenter für Hochvolt-Trakionsbatterien
Teil 6: Christina Freitag, Danijela Vasic und Projektleiter Matthias Tauber über die neue myAudi App
Teil 7: Dr. Günther Mendl, Leiter Entwicklung E-Traktion/Hochvoltsysteme, zur E-Mobilität bei Audi 
Teil 8: Stefan Angermüller, Experte für die intelligente Vernetzung von Anlagen auf Datenbasis
Teil 9: Ming Zhu und Haiwei (Odin) Bai, Senior Research Analysten von Audi Innovation Research in Beijing
Teil 10: Oliver Hoffmann, Technischer Geschäftsführer Audi Sport GmbH 
Teil 11: Zijian Pu, Expertin für China und Digitalisierung in der Unternehmensstrategie

 

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