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Elektrische Antriebe: Lautlos, stark, sauber

Welche Bedeutung gewinnen elektrische Antriebe künftig bei Audi? Welche Chancen und Herausforderungen bietet ihre Entwicklung? Und was macht es so reizvoll, ein Elektroauto zu fahren? Dr. Günther Mendl, Leiter Entwicklung E-Traktion/Hochvoltsysteme, zeichnet in Teil 7 unserer Serie „Einblicke bei Audi“ ein Technik-Bild der Zukunft. 
Ingenieur von Audi betrachtet Block für E-Traktion/Hochvoltsysteme

Herr Mendl, zum Einstieg eine Frage zu Ihrer Vergangenheit. Sie haben für Audi mehr als 15 Jahre lang Ottomotoren entwickelt. Welcher davon ist Ihnen am meisten ans Herz gewachsen?

Unser Weltmotor, der Vierzylinder EA888 mit 1,8 und 2,0 Liter Hubraum, war schon ein sehr anspruchsvolles Thema. Aber am meisten fasziniert mich der Fünfzylinder-Turbo, den wir in unsere kompakten RS-Modelle einbauen. An einem Sonntag bei schönem Wetter damit über die Landstraße zu fahren, mit diesem einzigartigen Sound – das ist einfach phänomenal.

Kann ein elektrischer Antrieb je so sexy sein wie ein sportlicher Benziner?

Ja, aber auf ganz andere Weise. Die große Stärke des Elektromotors ist der Take-off, also das starke, verzögerungsfreie Anschieben bei niedrigen Drehzahlen, das lokal emissionsfrei und praktisch lautlos erfolgt. Was aus Kundensicht am Ende des Tages aber entscheidend sein wird, sind die Reichweite des Autos und der Komfort beim Laden, in der Garage ebenso wie an der Schnellladesäule.

All diese Themen betreuen Sie in Ihrer neuen Hauptabteilung …

Die Abteilung EA-T entwickelt die elektrifizierten Antriebsmodule für die e-tron-Modelle von Audi. Wir sind in drei Abteilungen organisiert – eine für die E-Maschine mit dem Getriebe, eine für die Leistungselektronik und das Ladesystem sowie eine für die Hochvolt-Batterie. Wir sind eine sehr schlagkräftige Mannschaft, die wir mit hoher Geschwindigkeit weiter verstärken.

Warum sollte ein engagierter Antriebsentwickler zu Audi kommen?

Weil wir an den Technologien der Zukunft arbeiten. Und weil meine Leute sehr jung und fantastisch motiviert sind. Und weil es bei uns große Gestaltungsspielräume gibt, sowohl technologisch, aber auch prozessual und organisatorisch. Bei den Verbrennungsmotoren sind wir nahe am Optimum. Hier in der elektrischen Welt diskutieren wir über grundlegende Konzepte – über Asynchronmotoren, permanent oder fremd erregte Synchronmaschinen. Wir beschäftigen uns mit neuen Technologien wie Siliziumcarbid in den Leistungselektroniken. Wir entwickeln kabelgebundene, kabellose Ladesysteme, Schnellladesäulen und diskutieren über Laderoboter. Lithium Ionen Batterien bieten noch ein gewaltiges Potenzial und in Zukunft wird es auch um Feststoffbatterien gehen. Diese neue Welt ist superspannend. Wer jetzt einsteigt, kann sie maßgeblich mitgestalten.

Wie kann Audi als Automobilhersteller den Fortschritt beim elektrischen Antrieb prägen?

Ingenieur von Audi betrachtet Batterie-Modul für E-Traktion/Hochvoltsysteme
Dr. Günther Mendl mit einem Batterie-Modul.

Unser Fokus bei Audi liegt auf der Systemebene. Wir entwickeln und produzieren elektrische Antriebe und Hochvoltspeicher selbst und kommen so richtig in die Tiefe. Wir optimieren die Integration der Batteriesysteme ins Fahrzeug, um dem Kunden möglichst viel Reichweite – unter Gewährleistung höchster Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen – zu bieten. Wir nutzen die Synergien im VW-Konzern über ein Kompetenzzentrum, um auf Atomebene der Batteriezellen zu forschen. Prägend wird vor allem sein, wie nachhaltig wir das gestalten: von der Rohstoffseite über die Nutzung mit regenerativen Energie bis hin zu Recyclingkonzepten.    

Können Sie mit den bisherigen Entwicklungsprozessen den Fortschritt in der elektrischen Welt überhaupt abbilden oder vollzieht der sich viel schneller?

Derzeit sind die Zeiträume für Vor-, Konzept- und Serienentwicklung nicht so viel anders als in der konventionellen Welt. Um ein Batteriekonzept vom weißen Papier aus zu entwickeln, braucht man ähnlich viel Zeit wie für die Entwicklung eines Verbrennungsmotors. Wir konkurrieren aber künftig mit neuen Playern, die schnell agieren. Deshalb brauchen wir neue, agile Prozesse, um die Fortschritte, wie zum Beispiel in der Zellchemie, möglichst zeitnah in unsere Produkte zu bringen. Bei einigen Technikthemen bauen wir jetzt Beziehungen zu Start-ups auf.

Wann werden bei Audi die elektrischen Antriebe dominieren?

Die Roadmap für die nächsten Jahre ist klar. Wir starten 2018 mit dem Audi e-tron, unserem ersten rein-elektrisch angetriebenen Serienmodell und werden danach rasch zwei weitere Elektroautos auf den Markt bringen. 2025 ist jeder dritte ausgelieferte Audi elektrisch unterwegs, entweder batterie-elektrisch oder mit einer Brennstoffzelle. Die Autos mit Verbrennungsmotoren sind dann zu unterschiedlichen Graden hybridisiert. Diese Technikwelten vollständig zu beherrschen – das wird eine spannende Herausforderung.

Günther Mendl

Günther Mendl (Jg. 1971) studierte nach dem Abitur an der TU München Maschinenbau. 2001 schloss er seine von Audi unterstützte Dissertation zum Thema Motordynamik ab. Bei der AUDI AG, in die er im selben Jahr eintrat, arbeitete er auf verschiedenen Feldern der Ottomotorentwicklung, zuletzt verantwortete er die Entwicklung aller Reihen-Ottomotoren. Seit Frühjahr 2017 leitet Günther Mendl die Entwicklung E-Traktion/Hochvoltsysteme.

Bei Audi warten jede Menge spannender Jobs auf dich. Eine kleine Auswahl stellen wir dir in unserer Serie „Einblicke bei Audi“ vor:

Teil 1: James Garrett, Leiter Recruiting, zum HR-Arbeitsalltag mit Tipps für Bewerber
Teil 2: Doreen Engelhardt, Entwicklerin Innovationen Bedienung, und Manya Sahakyan,  Computerlinguistin, über die neue, intelligente Sprachsteuerung des A8
Teil 3: Alexander Juling, Projektleiter Elektronische Fahrwerksplattform (EFP), über die Grenzen der Physik
Teil 4: Anne Greul, Doktorandin Innovationsmanagement, über eine neue, radikalere Definition des Begriffs Mobilität
Teil 5: Alessandro Monaci, Mitarbeiter Qualitätssicherung, zum Testcenter für Hochvolt-Trakionsbatterien
Teil 6: Christina Freitag, Danijela Vasic und Projektleiter Matthias Tauber über die neue myAudi App
Teil 8: Stefan Angermüller, Experte für die intelligente Vernetzung von Anlagen auf Datenbasis
Teil 9: Ming Zhu und Haiwei (Odin) Bai, Senior Research Analysten von Audi Innovation Research in Beijing

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