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Digitalisierung im Werkzeug- und Anlagenbau

Kein Ablauf in der Produktion von Audi ist so gut, dass er nicht noch weiter verbessert werden könnte. Die Abteilung, in der Stefan Angermüller arbeitet, liefert neue Vorschläge und Lösungen für die Vernetzung von Anlagen und die intelligente Nutzung von Daten. Mehr erfährst du im Interview mit Stefan und in dem 8. Teil unserer Serie „Einblicke bei Audi“.
Junger Maschinenbauingenieur von Audi

Stefan, der Begriff „Digitalisierung Geschäftsprozesse“ umfasst ja ein ziemlich weites Feld. Worum genau geht es bei dir?

In meiner Abteilung unterstützen wir den Werkzeug- und Anlagenbau von Audi in mehreren Bereichen – beispielsweise dabei, die Auslastung von Anlagen oder die Auftragsplanung zu optimieren. Dabei ist es unser Ziel, die Ideen, die wir entwickeln, in die bestehenden Strukturen und Prozesse zu integrieren.

Und was ist dein Job innerhalb der Abteilung?
Ich arbeite im Backend. Das heißt, dass ich mir Gedanken über eine neue Vernetzungsstruktur für die existierenden Anlagen mache oder auch die Software-Komponenten entwickle, die für die neuen Lösungen erforderlich sind. Auf dem Markt kann man die in der Regel nicht kaufen. Das erfordert viel eigene Programmierarbeit.

Erzähl' doch mal von deiner praktischen Arbeit. Dein erstes Projekt, damals noch als Praktikant, hast du in der Versuchsgießerei von Audi gestartet…
Die Versuchsgießerei ist eine Einrichtung, in der neue Materialien, Technologien und Methoden erprobt werden. Jede Anlage und jeder Ofen produziert Daten, aber 2015, als ich dort war, gab es praktisch noch keine Vernetzung zwischen ihnen. Darum habe ich mich dann gekümmert. Ich habe eine Netzwerkstruktur aufgebaut, in der die Betriebs- und Maschinendaten zusammenkommen, so dass ein Qualitätsdatenmanagement möglich wird.

Audi Experte für Digitalisierung mit Kollegin
Stefan mit Kollegin

Ein Jahr später bist du fest zu Audi gegangen und hast ein Projekt im Presswerk übernommen. Worum ging es da?
Im Presswerk gibt es ein großes Ziel, um die Qualität weiter zu steigern: Man möchte jede einzelne Platine durchgängig verfolgen, von der Bandschneideanlage, die sie aus dem Stahlband stanzt, bis zum fertigen Teil, das am Ende aus der Presse läuft. Das Digitalisierungsteam, zu dem ich gestoßen bin, hat eine Vernetzungsstruktur konzipiert, um die relevanten Daten aus den Anlagen zu ziehen und mit den Daten der Pressteile abzugleichen.

Und wie funktioniert die Verfolgung der Teile?
Mit Kameras, die die Platinen fotografieren und dabei die Markierungen nutzen, die der Hersteller des Stahlbands aufgebracht hat. Wir haben solche Kameras in die Anlagen eingebaut, wobei wir großen Wert auf stabilen Betrieb und einfache Wartung gelegt haben.

Und woran arbeitest du zur Zeit?
An einem Projekt im Werkzeugbau – also dort, wo die Werkzeuge für die Pressen mithilfe von Maschinen entstehen. Hier liefert jeder Maschinenhersteller seine eigene Steuerungssoftware und -architektur, woraus eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit unterschiedlichen Protokollen entstanden ist. Wir verfolgen jetzt einen neuen, Service-orientierten Ansatz, bei dem wir die Informationen in eine gemeinsame Sprache bringen wollen. Der erste Schritt soll eine einfache Erfassung der Betriebsdaten sein – als kleinster gemeinsamer Nenner, der für alle Bereiche der Produktion gelten könnte. Von dieser Basis aus können wir die Daten dann schrittweise immer feiner spezifizieren.

In der AUDI AG laufen ja mehrere Projekte, Daten zu vereinheitlichen und zusammenzuführen. Was ist die Stärke eurer Philosophie?
Wir gehen pragmatisch und praktisch vor. In meinem Maschinenbaustudium habe ich ein gewisses Verständnis dafür gewonnen, wie Anlagen funktionieren. Unser Weg ist es, neue Ideen auszuprobieren und damit erfolgreiche Beispiele zu etablieren, so wie wir es mit den Kameras im Presswerk gemacht haben. Häufig bleiben wir dabei im Rahmen des bestehenden Fertigungsablaufs, in einigen Fällen schlagen wir Änderungen am Prozess vor.

Dafür brauchst du sicher ein gewisses Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kollegen vor Ort …
Wir respektieren sie hundertprozentig, denn sie sind langjährige Profis. Bei unserem Projekt im Presswerk haben wir zunächst mit den Anlagenführern gesprochen und uns ihren Input geholt, das hat Vertrauen und Akzeptanz hergestellt. Mir macht es einfach Spaß, Menschen für Ziele zu begeistern und vielleicht die eine oder andere Blockade zu lösen. Während meines Studiums habe ich an meinem alten Gymnasium aushilfsweise Physik und Mathematik unterrichtet. Ich habe mich damals vor die Klasse gestellt und gesagt: Leute, jeder von euch kann den Stoff verstehen. Und siehe da – es hat funktioniert!

Stefan Angermüller ...
... kam 1990 in Solingen zur Welt und legte sein Abitur im benachbarten Leichlingen ab. An der RWTH Aachen studierte er Maschinenbau mit Vertiefungsrichtung Konstruktionslehre, dazu übernahm er verschiedene Aufgaben an der Hochschule sowie an seinem ehemaligen Gymnasium. 2015 absolvierte Stefan ein Praktikum in der Versuchsgießerei von Audi, 2016 wechselte er fest nach Ingolstadt. Seine Abteilung hat die Aufgabe, im Werkzeug- und Anlagenbau die Geschäftsprozesse zu digitalisieren.

Bei Audi warten jede Menge spannender Jobs auf dich. Eine kleine Auswahl stellen wir dir in unserer Serie „Einblicke bei Audi“ vor:

Teil 1: James Garrett, Leiter Recruiting, zum HR-Arbeitsalltag mit Tipps für Bewerber
Teil 2: Doreen Engelhardt, Entwicklerin Innovationen Bedienung, und Manya Sahakyan,  Computerlinguistin, über die neue, intelligente Sprachsteuerung des A8
Teil 3: Alexander Juling, Projektleiter Elektronische Fahrwerksplattform (EFP), über die Grenzen der Physik
Teil 4: Anne Greul, Doktorandin Innovationsmanagement, über eine neue, radikalere Definition des Begriffs Mobilität
Teil 5: Alessandro Monaci, Mitarbeiter Qualitätssicherung, zum Testcenter für Hochvolt-Trakionsbatterien
Teil 6: Christina Freitag, Danijela Vasic und Projektleiter Matthias Tauber über die neue myAudi App
Teil 7: Dr. Günther Mendl, Leiter Entwicklung E-Traktion/Hochvoltsysteme, zeichnet ein Technik-Bild der Zukunft. 
Teil 9: Ming Zhu und Haiwei (Odin) Bai, Senior Research Analysten von Audi Innovation Research in Beijing
Teil 10: Oliver Hoffmann, Technischer Geschäftsführer Audi Sport GmbH 
Teil 11: Zijian Pu, Expertin für China und Digitalisierung in der Unternehmensstrategie

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