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Auto-verrückt und Motorsport-begeistert

Oliver Hoffmann, Technischer Geschäftsführer Audi Sport GmbH

Christian Focken 08.11.2018
Interview mit einem Mann auf der Überholspur: Oliver Hoffmann, 41 Jahre alt, leitet die Technische Entwicklung der Audi Sport GmbH, bei der die RS- und R8-Modelle entstehen. Erfahr mehr über die Faszination von starken Antrieben und darüber, warum ein junger Ingenieur bei Audi Sport in Neckarsulm arbeiten sollte.
Oliver Hoffmann, Technischer Geschäftsführer von Audi Sport GmbH
Blick zurück nach vorn: Oliver Hoffmann, Geschäftsführer Audi Sport GmbH

Herr Hoffmann, Sie haben in nur 15 Jahren Ihrer beruflichen Laufbahn schon verschiedenste Top-Jobs im VW-Konzern ausgeübt ­– in Wolfsburg, Ingolstadt, Neckarsulm, Sant’Agata Bolognese in Italien und im ungarischen Győr. Was waren Ihre spannendsten Stationen?

Das ist nicht so leicht zu beantworten, weil jede Aufgabe ihren eigenen Reiz hatte. Ich bin ja studierter Maschinenbauer mit dem Fokus auf der Motorentechnik. Die ersten Aggregate, mit denen ich mich beschäftigt habe, waren der 5,2l-V10 von Lamborghini und sein Nachfolger mit der Direkteinspritzung FSI. Das waren schon superemotionale Motoren – ich habe es als Privileg erlebt, an ihnen mitarbeiten zu dürfen.

Von 2013 bis 2014 waren Sie Assistenz im Audi Vorstand.

Von 2011 an hatte ich in Neckarsulm Konzepte für die neue, aufgeladene V6- und V8-Motorenfamilie entwickelt. Dann kam relativ kurzfristig der Ruf aus Ingolstadt, und dem bin ich natürlich gern gefolgt. In den zwei Jahren als Assistenz im Vorstand habe ich unheimlich viel über das Unternehmen gelernt, auch über Bereiche wie Vertrieb und Finanzen. Nach zwei Jahren bekam ich die Chance, als Leiter Antriebsentwicklung in unser Motorenwerk nach Győr zu wechseln. Dort ging es auch darum, die Fertigung der neuen Elektromotoren aufzubauen.

Anfang 2016 haben Sie die Leitung der Antriebsentwicklung von Audi übernommen. Eineinhalb Jahre später sind Sie dann zu Audi Sport gewechselt. Warum?

Weil der Job hochemotional ist und ganz sicher einer der schönsten überhaupt, die es bei Audi gibt. Wir bringen Autos auf die Straße, denen die kleinen Jungs hinterhergucken, bei denen sie „Wow!“ rufen. Und genau wie sie ist jeder einzelne meiner Mitarbeiter Auto-verrückt und Motorsport-begeistert.

Wie groß ist Ihr Team?

Meine Mannschaft besteht aus etwas mehr als 200 Mitarbeitern am Standort Neckarsulm. Unsere Kernkompetenz liegt in der Fahrwerkstechnologie und im Karosserie-Breitbau, also in der Performancesteigerung durch spezielle Setups, Räder und Aerodynamik-Lösungen. Wir übernehmen und modifizieren viele Technikbausteine der AUDI AG für unsere Modelle, wobei die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert. Darüber hinaus sind wir eng mit den Kollegen vom Kunden- und Werkssport vernetzt. Auch hier profitieren beide Seiten vom Know-how des jeweils anderen.

Was sind die besonderen Stärken Ihrer Mannschaft?

Wir sind ein kleines Team, das eng zusammenarbeitet, da sitzt öfters mal ein Karosserie-Entwickler mit einem Motorenmann am Tisch. Die Mannschaft ist dynamisch und hochmotiviert und einige Jahre jünger als der Durchschnitt bei Audi. Aber vielleicht sind es ja die Produkte, die uns jung halten...

Reden wir da künftig auch über Autos mit E-Motoren?

Ja, Audi Sport wird ab 2020 sein erstes elektrifiziertes Modell bauen, und es wird eine neue Speerspitze für das ganze Unternehmen sein.

Wie emotional kann diese Speerspitze sein, wenn man den Motor nicht mehr hört?

Der Verbrenner-Sound ist natürlich ein Gebiet, auf dem wir heute mit unseren Fünf- und Zehnzylindern echte Ikonen haben. Es bleibt unsere Prämisse, die Emotionalität auch in die Elektromobilität zu transportieren. Und ich bin sicher, dass wir eine gute Lösung finden werden.

Wie könnte bei der Audi Sport GmbH in zehn Jahren der Mix zwischen Benzin- und Elektromodellen aussehen?

Es wird auf Jahre hinaus ein Nebeneinander von konventionellen und elektrifizierten Antrieben geben, wobei diese in zehn Jahren wohl überwiegen werden. Auf den Märkten in Asien, Nordamerika und Europa dürfte der Mix recht unterschiedlich werden. Aber ich bin sicher, dass wir uns im Wettbewerb klar und stark aufstellen werden. Audi und Audi Sport stehen für Qualität und Perfektion, für Ingenieurskunst, Design und Dynamik. Und diese Werte werden wir in die elektrifizierte Welt tragen und dort weiter stärken.

Welche Potenziale sehen Sie dort speziell für die Fahrdynamik?

In der elektrischen Welt gibt uns das Mehrmotoren-Konzept bei den E-Maschinen und deren Regelung völlig neue Möglichkeiten an die Hand. Mit elektrischen Antrieben können wir sehr viel Leistung und Drehmoment generieren, und dazu können wir ein Handling realisieren, das heute noch gar nicht möglich ist. Ich freue mich sehr auf diese Zukunft!

Oliver Hoffmann

Oliver Hoffmann, 1977 in Hannover geboren, legte sein Abitur 1996 in Hemmingen ab. 2003 trat er als Motorenentwickler bei Volkswagen ein. 2005/06 war er Qualitätsmanager bei Lamborghini, in den folgenden drei Jahren arbeitete er bei Audi in Neckarsulm an der Entwicklung der V8- und V10-Hochdrehzahlmotoren mit. Im ungarischen Motorenwerk Győr leitete Hoffmann von 2009 bis 2011 die Qualitätssicherung, danach kehrte er als Leiter Entwicklung V-Motoren nach Neckarsulm zurück. 2013 und 2014 fungierte er als Assistent des Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler. Nach einer zweiten Station bei Audi Hungaria, diesmal als Leiter Antriebsentwicklung, wechselte Oliver Hoffmann 2016 nach Ingolstadt zurück, wo er die Antriebsentwicklung der ganzen Marke Audi übernahm. Seit Oktober 2017 arbeitet er zum dritten Mal in Neckarsulm – als Entwicklungschef und seit April 2018 als Mitglied der Geschäftsführung der Audi Sport GmbH.

Bei Audi warten jede Menge spannender Jobs auf dich. Eine kleine Auswahl stellen wir dir in unserer Serie „Einblicke bei Audi“ vor:

Teil 1: James Garrett, Leiter Recruiting, zum HR-Arbeitsalltag mit Tipps für Bewerber
Teil 2: Doreen Engelhardt, Entwicklerin Innovationen Bedienung, und Manya Sahakyan,  Computerlinguistin, über die neue, intelligente Sprachsteuerung des A8
Teil 3: Alexander Juling, Projektleiter Elektronische Fahrwerksplattform (EFP), über die Grenzen der Physik
Teil 5: Alessandro Monaci, Mitarbeiter Qualitätssicherung, zum Testcenter für Hochvolt-Trakionsbatterien
Teil 6: Christina Freitag, Danijela Vasic und Projektleiter Matthias Tauber über die neue myAudi App
Teil 7: Dr. Günther Mendl, Leiter Entwicklung E-Traktion/Hochvoltsysteme, zur E-Mobilität bei Audi 
Teil 8: Stefan Angermüller, Experte für die intelligente Vernetzung von Anlagen auf Datenbasis
Teil 9: Ming Zhu und Haiwei (Odin) Bai, Senior Research Analysten von Audi Innovation Research in Beijing

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