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Als ITlerin bei Audi: Interview mit Ilka Bewerunge

Nadine Miczka 11.11.2016
Bereits 2012 brachte Audi die erste Audi City an den Start: In einem digitalen Showroom können Kunden ihre Traumautos in Originalgröße aus allen Winkeln auf einer Powerwall betrachten. Die Virtual Reality Experience begleitet das erste Kennenlernen sogar noch einen Schritt weiter: Interessierte können ihr Wunschauto dank schnellster Datenübertragung, intelligenter Cloud-Lösungen und erfahrener Experten hautnah erleben. Eine dieser Experten ist Ilka Bewerunge, die als Projektleiterin zur Dirigentin von Millionen Daten in der Audi City wird – von London, Berlin, Peking über Paris und Istanbul bis nach Moskau. Wir haben mit der Frau hinter den Daten gesprochen und erfahren, was sie antreibt.
#JobEinstiegIT Teil 7: Audi IT
#JobEinstiegIT: Als ITlerin bei Audi

Frau Bewerunge, nach dem Abitur haben Sie amerikanische Literaturwissenschaft studiert, jetzt sind Sie in der IT-Branche. Wie kam es dazu?

Ich hatte im Nebenfach Wirtschaftsinformatik und als Studentin einen Job bei einem IT-Dienstleister. Das Programmieren hat mir sofort sehr viel Spaß gemacht.

Sprache und IT – welche Parallelen gibt es da?

Wer programmiert, muss ja auch eine Sprache lernen. Man muss Vokabeln pauken und diese benutzen. Ich habe damals mit Makros angefangen und war überrascht, dass ich mit nur einem Code ganz viel auf einmal erledigen kann. Es geht ja darum, diese Masse an Informationen zu nutzen, um eine völlig neue Welt zu erschaffen.

Sie haben zehn Jahre als Entwicklerin gearbeitet, welche Fähigkeiten braucht man in dem Job?

Neben Vokabeln lernen muss man Zusammenhänge verstehen können. Um einen gut strukturierten Programmiercode mit verschiedenen Abhängigkeiten zu schreiben, braucht es Spaß an der Sache, man muss gut kombinieren und Zusammenhänge erkennen können.

Sie sind diejenige, die Datenströme über den ganzen Erdball schickt. Programmieren Sie als Projektleiterin noch?

Nein, dafür ist leider keine Zeit. Aber ich profitiere von meiner Erfahrung als Entwicklerin. Man muss nicht programmieren können, um meinen Job zu machen, aber es muss ein Grundverständnis da sein. Wenn mir jemand sagt, da ist eine XML-Schnittstelle, die nicht funktioniert, dann weiß ich genau, was das Problem ist. So kann ich den Kollegen sagen, an wen sie sich wenden können. Reines Projektmanagement ohne technisches Verständnis, das ginge einfach nicht.

Nach wie vor sind Frauen rar in der IT. Welche Erfahrungen machen Sie in einem Team, in dem fast nur Männer arbeiten?

Wichtig sind heute weniger das Geschlecht als Kompetenz und Erfahrung. Mit Fachinformatikern, Medientechnikern, Linux- und Windows-Experten und vielen mehr sind wir sehr vielseitig aufgestellt. Wir profitieren hier auch von den unterschiedlichen Charakteren und Eigenschaften der Kollegen. Ich nehme meistens schnell die Rolle der Pragmatikerin ein und packe gerne mit an.

Wie verändert Ihr Job den Vertrieb von Audi?

Ein wichtiges Schlagwort ist Individualisierung. Wir möchten jedem Kunden die Möglichkeit geben, sein Wunschauto originalgetreu kennenzulernen. Ein Händler kann aus Platzgründen aber nicht alle Modelle in allen erdenklichen Konfigurationen ausstellen. Das ändert sich mit den Audi Citys. Jeder kann sich seinen Neuwagen konfigurieren und in Echtgröße an riesigen Powerwalls ansehen. Neuerdings integrieren wir auch Virtual Reality Brillen, mit denen sich Kunden in Zukunft auf den Fahrersitz beamen, um das Auto herumgehen oder den Motor inspizieren können. Das ist ein völlig neues Erlebnis. Mein Job ist es, für den Betrieb der Standorte zu sorgen. Dafür zu sorgen, dass die Händler mit Daten versorgt sind, damit unsere neuen Fahrzeuge auch abbildbar sind.

Wo liegen da die Herausforderungen für die IT?

Ich koordiniere externe Dienstleister und vor Ort eine Betriebsmannschaft. Bis Ende des Jahres wollen wir bereits 200 klassische Autohäuser mit digitalen Modulen aus Audi City ausgestattet haben. Wir müssen gewährleisten, dass das große Datenpaket aus Ingolstadt in den Audi City Standorten sowie bei den weltweit ausgerollten Schauräumen ankommt. Die Hardware muss laufen, die Händler brauchen immer die aktuellste Software und die aktuellen Autodaten.

Wie leicht lässt sich eine neue Komponente wie Virtual Reality (VR) in den Audi Citys etablieren?

Das Thema Virtual Reality entwickelt sich gerade rasant. Wir fanden die Vision, VR-Brillen in unseren Vertrieb zu integrieren auf Anhieb spannend. Audi hat bereits im vergangenen Jahr eine vollintegrierte VR-Lösung für den Autokauf vorgestellt und in ersten Pilothändlern getestet. Aktuell bereiten wir uns darauf vor, VR als weiteres digitales Tool an den Start zu bringen.

Glauben Sie, dass das Vorausschauende eine typisch weibliche Eigenschaft ist?

Ich denke schon. Frauen achten eher auf Details und behalten dabei den Überblick. Was hilft, ist, während Meetings gut zuzuhören. Alle Kollegen machen Erfahrungen, die sie mit mir teilen. Daraus leiten wir Schlussfolgerungen ab, damit wir vorausschauend arbeiten können.

Sie nutzen Clouds, um Ihre Daten zu verteilen. Wo schwebt eigentlich diese Datenwolke?

Es gibt ein zentrales Cloud-Datenzentrum in Europa. Dort laden wir unsere Daten hoch. Der Anbieter stellt eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung, sodass alle Stationen, die mit uns verbunden sind, sternförmig mit Daten versorgt werden, und das gleichzeitig.

Vielen Dank für das Interview!