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Versicherungsbeiträge – zwischen mathematischen Prognosen und gesundem Menschenverstand

Nadine Miczka 29.09.2016

Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass eine Freizeit-Drohne zur Sperrung einer Autobahnbrücke führt und wie teuer wäre das dann? Versicherungsbeiträge: Zahlen, hinter denen nicht nur Geld, sondern vor allem die komplexe Aufgabe der Preisfindung steckt. Allianz Spezialist Matthias Trüstedt erklärt uns, wie sein Team beim Pricing vorgeht.

„Die Preisfindung in der Versicherungsbranche ist um einiges komplexer als etwa in der Automobilindustrie“, so Matthias Trüstedt, Fachbereichsleiter Sach-Produkte und Aktuariat. Grund dafür ist der Charakter einer Versicherung. Gegenüber einem Auto, bei dem der Verkäufer weiß, dass sein Gewinn sich durch die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis errechnet, ist die Versicherung ein echter Sonderfall. „Der Kunde kauft bei einer Haftpflichtversicherung erst einmal ‚nur‘ das Versprechen, dass die Allianz im Schadenfall für ihn da ist.“ Wie hoch die Kosten für die Allianz später wirklich sind, zeigt sich erst, wenn der Schaden passiert. Wie legen die Experten also das Schadensrisiko und den Betrag fest?

Das Schlagwort lautet: Prognosen! Wie schwierig diese zu erstellen sind, hängt maßgeblich von statistischen Erfahrungswerten ab. „Jemand der mit 18 als blutiger Fahranfänger eine Autoversicherung abschließen möchte, birgt statistisch gesehen ein höheres Unfallrisiko als jemand, der mit ansonsten gleichen Merkmalen schon jahrelang im Straßenverkehr unterwegs ist.“ Matthias Trüstedt erklärt, dass für den Versicherungsbeitrag mathematische Prognosen, die auf Erfahrungen der vergangenen Jahre beruhen, sowie die Merkmale und Schadenhistorie der Allianz-Kunden herangezogen werden. Aktuelle und historische Daten erhalten Trüstedt und sein Team auch über den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Drohne
Wie entsteht der Versicherungsbeitrag für eine Drohne?


Bei neuen Phänomenen ist das aber gar nicht so einfach, da keine Schadenerfahrungen vorliegen. Und hier kommen wir zum Drohnen-Beispiel: Diese sind im Freizeitbereich noch relativ neu und statistische Werte liegen nur sehr begrenzt vor. Welchen Schadenfall könnte die Allianz also decken müssen? Das kann vom technischen Defekt über bloßen Bedienfehler bis hin zum totalen Worst-Case führen, den der Allianz-Experte für uns skizziert: „ Die Drohne fliegt über einer Autobahnbrücke in ein Fahrzeug hinein, das Auto stürzt von der Brücke und ein LKW-Fahrer rast gegen den Brückenpfeiler, woraufhin die gesamte Brücke erneuert werden muss und monatelang gesperrt ist. Daran sieht man, dass wir uns jedes Mal fragen müssen, was wir versichern und in welcher Höhe?“

Dass für die Beantwortung dieser Frage nicht nur Mathematik und statistische Prognosen ausreichen, zeigt die Versicherungshistorie der Autoversicherung. „Früher spielte es eine Rolle, ob die Kunden eine Garage als Schutzmöglichkeit für ihr Auto hatten. Damit sank das Schadensrisiko und somit der Versicherungsbeitrag. Das Problem: Bald gaben fast alle Versicherten an, eine Garage zu besitzen“, so Matthias Trüstedt. „Als Mathematiker muss ich mich fragen, wie glaubwürdig das ist. Ganz nach dem Motto ‚garbage in, garbage out‘, können fehlerhafte Daten zu fehlerhaften Prognosen führen. Aus diesem Grund sind gesunder Menschenverstand und der Blick für die Marktentwicklung genauso wichtig.“